Siamesische Zwillinge Ahmed und Mohammed in künstlichem Koma

Auch die zweite Operation der siamesischen Zwillinge Ahmed und Mohammed Ibrahim verlief erfolgreich: Acht Stunden arbeiteten die Mediziner an der Neugestaltung der Schädel. Am Wochenende hatte Ärzte die beiden in einem 26-stündigen Eingriff getrennt.


Siamesische Zwillinge: Zustand nach 34-stündiger OP stabil
REUTERS

Siamesische Zwillinge: Zustand nach 34-stündiger OP stabil

Ahmed und Mohammeds Gehirne waren über ein Netz aus Blutgefäßen miteinander verbunden. Die Nacht zum Sonntag verbrachten die Neurochirurgen im Children's Medical Center in Dallas damit, dieses Netz zu zerteilen und die Köpfe der Zwillinge voneinander zu trennen. "Der Moment, in dem sie getrennt sind, erscheint vielleicht großartig, aber das ist er nicht", sagte Neurochirurg Dale Swift. Er betonte, dass man erst die Wunden schließen müsse. In einer zweiten Operation formten plastische Chirurgen neue Schädeldecken und Kopfhäute für Ahmed und Mohammed. Dazu verwendeten sie Haut von den Oberschenkeln und Köpfen der Jungen, die vor der Operation durch Implantate erweitert worden war.

Nach der Trennung äußerten sich die Ärzte vorsichtig optimistisch: Der Zustand der Zwillinge sei stabil. Über mögliche Hirnschäden könnten aber noch keine Angaben gemacht werden. Bereits vor dem Eingriff galt es als wahrscheinlich, dass einer oder beide Jungen Hirnschäden erleiden. Nach Ansicht der Ärzte können Thrombosen, Schlaganfälle und Infektionen ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. Es sei wichtig, dass die neu gelegten Venen halten, hieß es. Um eine gute Wundheilung zu unterstützen, versetzten die Ärzte Ahmed und Mohammed nach der 34-stündigen Operation in ein künstliches Koma, das drei bis fünf Tage andauern soll.

Die Kinder aus El Homr nahe der südagyptischen Stadt Kus waren im Juni 2002 von der World Craniofacial Foundation nach Dallas geholt worden. Fünf Neurochirurgen und ein Team von mehr als 50 Assistenten hatten die Operation ein Jahr lang vorbereitet. Kenneth Slayer, Gründer der Stiftung und Leiter des Ärzteteams, sagte nach dem Eingriff: "Wir sind sehr glücklich, dass wir heute hier die Trennung der Zwillinge verkünden können." Es habe Momente großer Freude, Besorgnis und Angst gegeben.

Erst im Juli waren die ebenfalls am Kopf verwachsenen iranischen Zwillinge Ladan und Laleh Bidschani nach ihrer Trennung gestorben. Nur zwei Prozent aller siamesischen Zwillinge sind am oberen Teil des Schädels zusammengewachsen. Rund die Hälfte der so genannten Craniopagus-Zwillinge starb nach Angaben von Slayer bisher nach der Trennung. Nur sieben konnten ein normales Leben führen, 17 erlitten Hirnschäden.



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