Siamesische Zwillinge Ihre Sehnsucht, ihr trauriger Tod

Nicht nur in ihrem Heimatland Iran ist der Tod der siamesischen Zwillinge Ladan und Laleh Bidschani mit tiefer Trauer aufgenommen worden. Nach einer riskanten Trennungsoperation in Singapur konnten die Ärzte keine der Schwestern retten.


Die "Operation Hoffnung", von der sie sich ein eigenständiges Leben erhofft hatten, endete für Ladan und Laleh Bidschani tödlich. Beide starben kurz nacheinander an den Folgen eines riskanten, rund 50 Stunden dauernden Eingriffs in Singapur, bei dem die am Kopf zusammengewachsenen Zwillinge voneinander getrennt werden sollten.

Zwillingsschwestern Ladan (l.) und Laleh Bidschani vor der Operation: "Wir sind zwei komplett verschiedene Individuen"
REUTERS

Zwillingsschwestern Ladan (l.) und Laleh Bidschani vor der Operation: "Wir sind zwei komplett verschiedene Individuen"

Die beiden Schwestern hatten zu viel Blut verloren, als sich die heikle Trennung ihrer Gehirne dem Ende näherte. In der Raffles-Klinik, wo ein internationales Team von 28 Ärzten und etwa 100 Assistenten die Operation vorgenommen hatte, spielten sich nach der Todesnachricht dramatische Szenen ab: Landsleute der Zwillinge, die dort seit Beginn der Operation am Sonntag ausgeharrt hatten, brachen in Tränen aus.

Auch im Heimatland der Zwillinge, dem Iran, war der Eingriff mit großer Anteilnahme verfolgt worden. Das staatliche Fernsehen unterbrach sein Programm, um den Tod der Schwestern zu melden. Viele Iraner brachen daraufhin in der Öffentlichkeit in Tränen aus. Die ältere Schwester der Zwillinge, Sari Bidschani, fiel in Ohnmacht, als sie die Nachricht erhielt.

Noch am Dienstagvormittag lokaler Zeit war Hoffnung aufgekeimt, nachdem die Klinik von der erfolgreichen Trennung der eng miteinander verwachsenen Gehirne der Schwestern berichtet hatte. Am frühen Nachmittag versagte dann bei Ladan der Kreislauf, woraufhin sie gegen 14.30 Uhr starb. Etwa eine Stunde später brach auch die Blutzirkulation von Laleh zusammen. Gegen 16.00 Uhr gaben die Ärzte schließlich ihre Versuche auf, wenigstens eine der beiden Frauen zu retten.

Neurochirurg Goh auf der Pressekonferenz: Operation für machbar gehalten
DPA

Neurochirurg Goh auf der Pressekonferenz: Operation für machbar gehalten

Auf einer Pressekonferenz zeigten sich die Mediziner tief betroffen. Wie der Klinikleiter Loo Choon Yong erklärte, hatte es bereits am Montag erste Probleme gegeben, als ein in den Köpfen eingepflanzter Bypass verstopfte. Daraufhin sei den Angehörigen angeboten worden, die Operation abzubrechen. "Wir haben sie gefragt, was der Wunsch von Ladan und Laleh wäre. Da wurde uns gesagt, ihr Wunsch sei es, unter allen Umständen fortzufahren."

Hätte man den Eingriff gestoppt und die Schwestern auf die Intensivstation gebracht, wäre die Gefahr einer Infektion groß gewesen, sagte Loo. "Wir wollten helfen, die Wünsche der Zwillinge zu erfüllen." Die Ärzte hatten bereits früh darauf hingewiesen, dass eine der Schwestern oder sogar beide bei der Trennung sterben könnten. Der Leiter des Operationsteams, der Singapurer Neurochirurg Keith Goh, hatte den Eingriff jedoch nach wochenlangen Tests für machbar gehalten.

Unmittelbar vor der Operation hatten sich die Zwillinge noch sehr zuversichtlich gegeben. Mehrfach hatten sie betont, dass eine Trennung ihr Lebenstraum sei und sie dafür auch die Risiken in Kauf nehmen wollten. Auf die Frage, wie sie über die Möglichkeit dächten, dass eine von beiden den Eingriff nicht überleben könnte, sagte Ladan: "Darüber denken wir nicht nach."

Trotz ihres gemeinsamen Lebens hatten die Schwestern unterschiedliche Vorlieben entwickelt. Während Laleh gerne Journalistin werden wollte, wollte Ladan als Anwältin arbeiten. "Wir sind zwei komplett verschiedene Individuen, die aneinander gebunden sind. Wir haben unterschiedliche Lebensstile und sehen die Welt auch sehr verschieden", sagte sie vor dem Eingriff. "Wir möchten uns endlich ansehen, ohne einen Spiegel zu brauchen."

Wegen des hohen Risikos hatten deutsche Ärzte vor sieben Jahren von einer Operation der iranischen Schwestern abgeraten. Auf die Klinik in Singapur waren Ladan und Laleh Bidschani aufmerksam geworden, nachdem dort im Frühjahr 2001 ebenfalls unter der Leitung von Goh ein an den Köpfen verbundenes Zwillingspaar erfolgreich getrennt worden war. Die beiden aus Nepal stammenden Mädchen waren jedoch zum Zeitpunkt des Eingriffs elf Monate alt.



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