Sicherheit Deutsche Archäologen stoppen Arbeit in Ägypten

Ägyptens antike Schätze sind durch das Chaos in dem Land zunehmend bedroht. Das Militär hat allein im Altertümer-Museum in Kairo rund 50 mutmaßliche Plünderer festgenommen. Das Deutsche Archäologische Institut hat seine Arbeit in Ägypten vorerst eingestellt.
Soldaten vor dem Altertümer-Museum in Kairo: Dutzende Plünderer festgenommen

Soldaten vor dem Altertümer-Museum in Kairo: Dutzende Plünderer festgenommen

Foto: Chris Hondros/ Getty Images

Kairo/Berlin - Das Ägyptische Museum in Kairo ist mehrfach zum Ziel von Plünderern geworden: Kriminelle nutzten offenbar das Chaos in der Hauptstadt, um in das Museum einzubrechen, das vollgestopft ist mit unschätzbar wertvollen Artefakten aus Ägyptens Vergangenheit. Die Eindringliche rissen die Köpfe zweier Mumien ab. Selbst Stücke aus der unmittelbaren Nähe des Grabschatzes des legendären Pharaos Tutanchamun blieben nicht verschont.

Inzwischen haben Soldaten rund 50 Männer bei dem Versuch festgenommen, in das Museum zu gelangen. Am Sonntag seien etwa 35 Einbrecher geschnappt worden, am Montag seien es 15 weitere gewesen. Das Militär hat nach eigenen Angaben mittlerweile starke Schutzmaßnahmen ergriffen: Auf dem Dach des Gebäudes seien Scharfschützen in Stellung gegangen, Dutzende Soldaten patrouillierten auf dem Gelände. Um das Museum und seine Schätze zu schützen, hätten die Soldaten Schießbefehl.

Zahi Hawass, Chef von Ägyptens Altertümerbehörde und frisch ernannter Minister, bezeichnete das Museum als gut geschützt. Die beschädigten Artefakte könnten restauriert werden. "Wenn das Museum sicher ist, ist Ägypten sicher", sagte Hawass.

Das aber scheint man in Deutschland anders zu sehen. Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) hat seine Grabungsarbeiten in dem Land vorübergehend eingestellt. In Luxor und Assuan seien die Archäologen aus Deutschland nicht mehr vor Ort, sagte eine DAI-Sprecherin am Montag in Berlin. In der Niederlassung in Kairo seien die Sicherheitsmaßnahmen aus Sorge um Plünderungen erhöht worden, ein Mitarbeiter halte rund um die Uhr die Stellung. Für das DAI arbeiten in Kairo acht fest angestellte Mitarbeiter sowie zur Zeit rund 30 weitere Wissenschaftler. Viele Experten aus Deutschland seien nun zum eigenen Schutz in Wohnungen zusammengezogen.

Die geschäftsführende Direktorin des Ägyptologie-Seminars der Universität Köln, Françoise Labrique, sagte am Montag, der Kontakt zu einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin in Kairo sei abgebrochen. Die ägyptische Regierung hatte das Handynetz und den Internetzugang gekappt. "Ich mache mir Sorgen, weil sie nicht erreichbar ist", sagte Labrique. Die Professorin selbst hatte Mitte Februar neue Forschungsprojekte in Ägypten beginnen wollen. Ob dies nun geschehe, sei fraglich.

Die Universität Münster behält eine Studentin in Deutschland, die in diesen Tagen zu einem wissenschaftliches Projekt nahe Assuan aufbrechen sollte, wie das Institut für Ägyptologie und Koptologie mitteilte. Auch das Ägyptologie-Seminar in Bonn möchte jede Gefahr ausschließen: Nach Angaben einer Sprecherin wartet das Institut die Entwicklungen zunächst ab, bis neue Grabungen in dem Land geplant werden.

Für Studenten der Universität Leipzig liegen wegen der Unruhen in Ägypten geplante Forschungen ebenfalls auf Eis. Mehrere Studenten hätten zum 1. Februar ihre Tätigkeit für das DAI in Kairo beginnen sollen, sagte der Kustos des Ägyptischen Museums der Universität Leipzig, Dietrich Raue. Die Grabungen, zu denen die Studenten eingeladen waren, seien vorerst gestoppt worden.

Dass die Sorge um die Sicherheit nicht ganz unbegründet ist, zeigt ein Vorfall im südägyptischen Luxor: Anwohner vertrieben mit Gewalt eine Gruppe von Dieben, die offenbar Stücke aus dem Lagerhaus des berühmten Tempels von Karnak stehlen wollten. Obwohl die Langfinger mit Schusswaffen und Messern bewaffnet gewesen seien, hätten die Anwohner fünf von ihnen überwältigt und festgehalten.

mbe/dpa
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