Sicherheitsprobleme Neuer Zwischenfall in schwedischem Pannen-Reaktor

Ein neuer Reaktor-Defekt beunruhigt die Schweden: Die Atomaufsicht SKI hat das Kraftwerk Forsmark wegen eines Sicherheitsproblems abgeschaltet. Im vergangenen Sommer hatten die Techniker bei einem schweren Störfall eine Kernschmelze nur knapp verhindern können.


Stockholm - Im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark ist am Samstag ein Reaktor wegen eines Schadens an der äußeren Hülle abgeschaltet worden. Wie die Betreiberfirma FKA mitteilte, wurde bei einer Prüfung einer Gummifüllung in der Außenhülle des Reaktors Forsmark 1 fehlende Elastizität festgestellt. Der Reaktor sei für weitere Tests bis auf weiteres vorsorglich abgeschaltet worden. Den Angaben zufolge wurde auch der neuere Reaktor Forsmark 2 auf mögliche Sicherheitsmängel untersucht.

Abgeschalteter Forsmark-Reaktor: Gefährlich im Falle eines Störfalls
DPA

Abgeschalteter Forsmark-Reaktor: Gefährlich im Falle eines Störfalls

Die angesprochene Gummidichtung, erklärte Anders Jörle, Sprecher der Atomaufsicht SKI, sei im Fall eines Störfalls von entscheidender Wichtigkeit. "Wenn das nicht dicht ist funktioniert das Sicherheitssystem des Reaktors nicht richtig. Wenn ein richtiger Störfall auftritt, wird der Fluss von Wasserdampf zum Reaktor unter anderem über diese Dichtung reguliert. Wenn das nicht funktioniert, hat man weniger Eingriffsmöglichkeiten, ein mögliches Desaster zu verhindern."

Jörles Vorgesetzter, SKI-Chef Anders Bredfell, fasste den Vorfall noch knapper zusammen: "Das ist nichts ernstes. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Reaktor abgeschaltet wird." Die beanstandete ist eine von drei Gummidichtungen, die an der Dampfdruck-Regulierung beteiligt sind.

Atomindustrie in der Kritik

Im Juli vergangenen Jahres hatte es in Forsmark einen schweren Störfall gegeben, als nach einem Elektrizitätsausfall auch die Notstromversorgung nur schleppend angelaufen war. Nach Angaben von Experten wurde eine Katastrophe - ein Schmelzen des Reaktorkerns - nur knapp verhindert.

In der vergangenen Woche wurde ein kritischer interner Bericht über dramatische Sicherheitsmängel in Forsmark bekannt. Darin wird unter anderem über Gaslecks und gefährliche Arbeitsbedingungen berichtet. Außerdem seien mehrfach Angestellte nach Hause geschickt worden, nachdem sie bei Alkoholtests durchgefallen seien. Erst am Freitag war bekannt geworden, dass ein Ermittler der schwedischen Atombehörde die Umstände der Abschaltung im Juli 2006 auf mögliche Verletzungen von Protokollen und Gesetzen prüft.

Schweden deckt mit derzeit noch zehn Atomkraftwerken nahezu die Hälfte seines Strombedarfs, will aber innerhalb der nächsten 30 Jahre vollständig auf die Kernenergie verzichten. Neben den beiden deaktivierten Forsmark-Reaktoren stehen auch die Reaktoren Ringhals 1 und 3 still, nachdem bei einem der Reaktoren missverständliche Messanzeigen aufgetreten waren.

pat/AFP/AP



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