Studie aus Singapur Diese Hundefutter können Spuren von Hai enthalten

Bei der Untersuchung von Tierfutter haben Wissenschaftler in einem Drittel der Proben das Genmaterial bedrohter Haie gefunden. Gekennzeichnet würden die Produkte lediglich mit einem allgemeinen Hinweis – wenn überhaupt.
Siedenhaie wie diese in der Karibik werden von der Weltnaturschutzunion IUCN als potenziell gefährdet eingestuft

Siedenhaie wie diese in der Karibik werden von der Weltnaturschutzunion IUCN als potenziell gefährdet eingestuft

Foto: Norbert Probst / imagebroker / IMAGO

Haustierbesitzer füttern ihre Hunde und Katzen womöglich unwissentlich mit Futter, das gefährdete Haifische enthält. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zweier Forscher aus Singapur, die in der Zeitschrift »Frontiers in Marine Science«  veröffentlicht worden ist.

Für die Arbeit untersuchten die Wissenschaftler 144 Proben aus 45 Tierfutterprodukten von 16 verschiedenen Marken. Die Produkte wurden in Singapur gekauft. Die DNA wurde sequenziert und bestimmt. Das Ergebnis zeigte: Rund ein Drittel der Proben enthielt Erbgut von Haien. Am häufigsten identifizierte das Forschungsteam Arten wie den Blauhai, den Seidenhai und den Weißspitzen-Riffhai. Der Seidenhai und der Weißspitzen-Riffhai werden in der Roten Liste der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) als »gefährdet« geführt. Der Blauhai ist zwar nicht offiziell als bedroht eingestuft, nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gelte sein Bestand jedoch als überfischt. Forscherinnen und Forscher fordern, den Fang zu regulieren.

Auch die DNA des Sichelflossen-Wieselhais, des Karibischen Scharfnasenhais und des Sandtigerhais fanden die Studienautoren im Heimtierfutter. Während die beiden erstgenannten Arten als gefährdet gelten, ist der Sandtigerhai sogar vom Aussterben bedroht.

Unklar ist dabei, wie groß der Haianteil am Tierfutter ist. Mithilfe der DNA-Sequenzierung lässt sich ermitteln, welche Arten grundsätzlich enthalten sind. Über die tatsächliche Menge, die die Produkte enthalten, gibt die Studie keinen Aufschluss.

Drei Viertel aller Haiarten sind bedroht

Gekennzeichnet wurde die Haifischzutat auf den Tierfutterverpackungen der Studie zufolge nicht: In keinem der Produkte wurde Hai ausdrücklich aufgeführt, bei einigen standen lediglich allgemeine Begriffen wie »Meeresfisch« oder »Weißfisch« auf dem Etikett. Andere enthielten überhaupt keinen Hinweis auf Fisch. Diese irreführende Kennzeichnung hindere die Verbraucher daran, informierte und umweltbewusste Entscheidungen zu treffen. In der Folge trügen Heimtierbesitzer und Tierliebhaber möglicherweise unwissentlich zur Überfischung gefährdeter Haie bei, schreiben die beiden Wissenschaftler.

Die Haibestände sind weltweit überfischt. In den vergangenen 50 Jahren sind die Populationen um mehr als 70 Prozent zurückgegangen. Dieser Rückgang ist weitgehend auf den zunehmenden Fischfang zurückzuführen. Drei Viertel aller Haiarten in den Meeren der Welt gelten als bedroht. Haie sind sogenannte Spitzenprädatoren, Raubtiere an der ersten Stelle der Nahrungskette in den Ozeanen. Ihre Existenz ist für das ökologische Gleichgewicht der Ozeane von entscheidender Bedeutung.

Nach Ansicht der Autoren trägt die Verwendung von Haiprodukten in Alltagsgegenständen wie Tierfutter zum Rückgang der Bestände bei. Einen entscheidenden Faktor stelle jedoch der Verkauf von Haifischflossen dar.

Auch EU-Länder verkaufen Haifischflossen

Es sei denkbar, schreiben die Autoren der Studie, dass der in den Tierfutterprodukten verwendete Haifisch von Haikadavern stammen könnte, die verarbeitet werden, nachdem Fischer ihnen die wertvollen Flossen abgetrennt haben.

Einen großen Markt für Haifischflossen gibt es in Teilen Asiens, besonders in Hongkong, Singapur und Taiwan. Allerdings tragen auch europäische Länder erheblich zum Rückgang der Bestände bei: Einer neuen Auswertung des International Fund for Animal Welfare , einer weltweit tätigen Tierschutzorganisation, zufolge verkaufen die europäischen Länder so viele Haifischflossen nach Asien, dass sie fast die Hälfte des Handels beherrschen. Vor allem Spanien, Portugal, die Niederlande, Frankreich und Italien hätten einen wichtigen Anteil an der Versorgung dieses legalen Marktes. So habe Spanien zwischen 2003 bis 2020 rund 51.800 Tonnen Haifischflossen geliefert. Der größte Lieferant von Haifischflossen ist China.

vki