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Kaum Smog in Peking: Klare Sicht

Foto: Li Xin/ dpa

Deutlich weniger Smog Das Wunder von Peking

Jeden Winter verschwand Peking im Smog - nun ist die Luft plötzlich deutlich sauberer. Das kompromisslose Durchgreifen der Kommunistischen Partei zeigt Wirkung.

"Armageddon", "Airpocalypse": Für den seit Jahren wiederkehrenden Extremsmog haben Pekings Bewohner viele Namen. Besucher wurden gewarnt, in die Stadt zu kommen. Sie schien im Smog zu ersticken, vor allem im Winter.

Doch seit einigen Wochen zeigt sich Chinas Hauptstadt von einer anderen Seite. Fast jeden Tag ist die Luft sauber und der Himmel blau. Der übliche gelbe Dunst fehlt.

"Die Luft ist viel, viel besser als im letzten Jahr", sagt die Deutsch-Übersetzerin Liu Feng. "Der Himmel ist blau, unglaublich!", meint die Theaterregisseurin Cao Kefei. Peking scheint aufzuatmen. Die Menschen können wieder tief Luft holen, ohne einen Hustenanfall fürchten zu müssen.

Das subjektive Befinden zählt dabei besonders, weil über die objektive Höhe der Luftverschmutzung in Peking immer wieder gestritten wird. Seit Jahren widersprechen die offiziellen Angaben der chinesischen Behörden denen, die zum Beispiel die amerikanische Botschaft veröffentlicht. Dennoch ist der Trend in diesem Winter eindeutig - zu besserer Luft.

Mehr als nur Propaganda

Schon ist auf der Website des chinesischen Umweltministeriums von einer "neuen Wirklichkeit" für Pekings Einwohner die Rede. Die Umweltorganisation Greenpeace sah bereits im letzten Quartal 2017 eine durchschnittliche Verbesserung der Pekinger Luftqualität um 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In 25 umliegenden Städten verzeichnete Greenpeace eine geringere Verbesserung um 33 Prozent. Gemessen wurde die Höhe des Feinstaubs in der Luft.

Vor etwa 20 Jahren hatte die Kommunistische Partei (KP) in China begonnen, sich ernsthaft mit Umweltschutz zu beschäftigen. Anfang der Nullerjahre wurde Greenpeace in China zugelassen - ein weiterer Schritt. 2005 folgte das erste Plenum des Zentralkomitees der Partei, das den Erhalt der Umwelt höher bewertete als das Wachstum der Wirtschaft.

Zwölf Jahre später, im vergangenen Oktober, hielt KP-Chef Xi Jinping eine Parteitagsrede, in der er die zuvor erklärten Wachstumsziele der Partei zugunsten nachhaltiger Entwicklungsziele fallen ließ. Der lange kaum wahrnehmbare Ökotrend erklärt die bessere Luft in Peking heute.

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Kaum Smog in Peking: Klare Sicht

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Im Alltag hat die neue kommunistische Umweltpolitik unzählige, unbekannte Opfer. Chen Xingdong, Chefökonom der französischen Bank BNP Paribas in Peking, spricht von Zehntausenden geschlossenen Fabriken im Jahr 2017 - aufgrund von Umweltauflagen, die von den Behörden erstmals durchgesetzt werden.

Die meisten Bestimmungen stammen bereits aus dem Jahr 2014, als die chinesische Regierung neue Ziele für die Entgiftung von Luft, Wasser und Böden bekannt gab, jedoch mit konkreten Maßnahmen auf sich warten ließ.

Nun aber trifft es in Peking auch die Ärmsten: Zehntausende Wanderarbeiter, die bislang notdürftig in den weit außerhalb vom Zentrum liegenden Vororten lebten, wurden von den Behörden in den vergangenen Monaten oft brutal ihrer Behausungen beraubt und zurück in ihre Provinzen geschickt.

Den Vorwand dafür lieferten nicht eingehaltene Brandschutzvorschriften. Mit den Wanderarbeitern verschwanden auch Zigtausende illegaler Kohleöfen, die in ihren Unterkünften brannten und den Smog verstärkten.

"Merkbar besser"

"Der Hauptgrund für die Verbesserung der Luft in Peking waren der politische Wille und die rigoros umgesetzten Maßnahmen der Regierung", analysiert Lo Szeping, Leiter des World Wide Fund in Peking. "Peking ist auf dem Weg zu einer kohlefreien Stadt".

Das Ergebnis verblüfft sogar Umweltschützer: "Die Luft in Peking ist zwar noch weit weg von Himalaya-Qualität. Aber sie wird von Jahr zu Jahr merkbar besser", sagt Ex-Greenpeace-Chef Gerd Leipold, der Peking als Berater für Klimafragen bis heute regelmäßig besucht.

Leipold sieht auch, was in Peking noch zu tun ist: Zweitakter müssten verboten, der öffentliche Nahverkehr weiter ausgebaut und der Umstieg zum Elektroantrieb forciert werden. "Wenn China seine ambitionierten Klimaziele erreicht, dann wird man vielleicht in zwanzig Jahren das ganze Jahr über den blauen Himmel über Peking sehen", prophezeit Leipold.

Doch vorher wird der Himmel erst einmal wieder grau. Denn viele der im letzten Jahr aufgrund von Umweltauflagen geschlossenen Fabriken dürfen im Frühjahr wieder den Betrieb aufnehmen. Im Februar meldete das chinesische Umweltministerium, landesweit 20.000 neue Betriebsgenehmigungen für umweltbelastende Fabriken erteilt zu haben.