Smog in China 90 Prozent der Städte überschreiten Grenzwerte

In fast allen chinesischen Metropolen haben die Menschen derzeit mit starkem Smog zu kämpfen. Zur Sicherheit wurde die Bevölkerung gebeten, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Doch es gibt auch einen kleinen Hoffnungsschimmer.
Stadt Jilin am 22. Januar: Auch diesen Winter kämpft China mit dem Smog

Stadt Jilin am 22. Januar: Auch diesen Winter kämpft China mit dem Smog

Foto: Getty Images/ ChinaFotoPress

Peking - Die Umweltorganisation Greenpeace forderte am Donnerstag in Peking, energische Schritte im Kampf gegen die Luftverschmutzung und Alarmpläne, die schneller umgesetzt werden müssten, um die Bevölkerung auch wirklich zu schützen. Hintergrund: Mehr als 90 Prozent der 190 Städte in China, die ihre Luftwerte melden, überschreiten Chinas eigene Grenzwerte für die durchschnittliche jährliche Luftverschmutzung mit Feinstaub.

Auch an diesem Donnerstag stieg die Luftverschmutzung in Peking wieder auf "sehr ungesunde" Werte, wie die US-Botschaft warnte. Der Index für Feinstaub lag bei mehr als 200, knapp dem Zehnfachen des Grenzwertes der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die 20 Millionen Pekinger wurden aufgefordert, auf der Straße Atemschutzmasken zu tragen. Alte und junge Menschen sollten möglichst nicht vor die Tür gehen.

Wie Greenpeace berichtete, liegt die jährliche Konzentration mit dem gefährlichen Schwebstaub, der kleiner als 2,5 Mikrometer (PM 2,5) ist, in 190 Städten nach offiziellen Angaben bei 60,8 Mikrogramm pro Kubikmeter. Nur 18 Städte überschritten den chinesischen Grenzwert von 35 Mikrogramm nicht. Die WHO empfiehlt maximal eine Belastung von 25 Mikrogramm über 24 Stunden und 10 Mikrogramm als jährliche Durchschnittsbelastung.

Alltag im Smog

Greenpeace präsentierte die Zahlen bei der Vorstellung des Kurzfilms "Smog Journeys", der sich mit den Auswirkungen des Smogs in China beschäftigt und den die Umweltschutzorganisation selbst in Auftrag gegeben hatte. "Was mich während der Dreharbeiten fasziniert und am meisten geschockt hat, ist die Tatsache, dass die Menschen selbst an Smogtagen ganz normal ihrem Leben nachgegangen sind", sagte Regisseur Jia Zhangke, dessen Vater in der kohlereichen Provinz Shanxi an Lungenkrebs gestorben war.

Die Einwohner chinesischer Großstädte leiden seit Jahren unter starkem Smog, insbesondere im Winter ist die Luftqualität oft dramatisch schlecht. Die größten Luftverschmutzer sind Kohlekraftwerke, Industrieanlagen und der mit dem wachsenden Wohlstand rasant zunehmende Autoverkehr.

Am 15. Januar hatte China den bisher schlimmsten Smog des aktuellen Winters gemeldet. Laut Messung der US-Botschaft erreichte der Index in der Hauptstadt Peking für die gefährlichen Feinpartikel zwischenzeitlich den Wert von 546 Punkten. Selbst die meist niedriger liegenden offiziellen chinesischen Messungen kamen auf 387 Punkte bei den Partikeln, die kleiner als 2,5 Mikrometer (PM 2,5) sind.

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Smog in Peking: Dicke Luft

Foto: KIM KYUNG-HOON/ REUTERS

Leichter positiver Trend

Es gibt aber auch positive Nachrichten: Demnach ist die Smogbelastung im vergangenen Jahr zumindest leicht zurückgegangen. In Chinas am stärksten verschmutzter Stadt Xingtai wurden aktuell 131,4 Mikrogramm Partikel pro Kubikmeter gemessen, in Peking 83,2 Mikrogramm und im Finanzzentrum Shanghai 52,2 Mikrogramm.

Bei den der Greenpeace-Statistik zugrunde liegenden chinesischen Behördenangaben handelt es sich jedoch nur um aktuelle Messwerte, Durchschnittswerte oder Langzeitvergleiche werden nicht veröffentlicht. Daraus ergibt sich Greenpeace zufolge für Xingtai in der Provinz Hebei eine Abnahme der Feinstaubbelastung um 15,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, für Peking um 7,7 Prozent und für Shanghai um 14 Prozent.

jme/AFP/dpa
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