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Kreuzer Mainz: „Seiner Majestät Schiff“

Foto: Duikteam Zeester

Wrack bei Helgoland Hobbytaucher plündern Seekriegsgrab

1914 sank der deutsche Kreuzer SMS "Mainz" nahe Helgoland beim Gefecht mit der britischen Marine. Nun haben niederländische Hobbytaucher das Seekriegsgrab geplündert - angeblich, um Artefakte zu retten.

Die Toten soll man ruhen lassen. Das gebietet schon der Respekt. Was also haben sich die Mitglieder des niederländischen Sportklubs Duikteam Zeester gedacht, als sie im August zum Wrack des deutschen Kreuzers SMS "Mainz" tauchten? Das Kriegsschiff war im Ersten Weltkrieg mit 89 Mann an Bord vor Helgoland gesunken.

Sie holten sich einige Souvenirs aus dem Wrack und präsentierten diese anschließend auf ihrer Facebook-Seite . Wie die Taucher dabei vorgingen, zeigen sie in einem YouTube-Video  aus dem Jahr 2011 - schon damals hatten sie das Wrack einmal besucht. Zunächst sind ruhige Aufnahmen des bewachsenen Schiffs zu sehen. Bald aber ist es mit der Ruhe vorbei, gegen Ende der achten Minute holen die Taucher ihre Werkzeuge heraus und hämmern auf Schiffsteile ein.

In dem Wrack ruhen 89 Männer der Besatzung der SMS "Mainz", die den 28. August 1914 nicht überlebten. Der sogenannte Kleine Kreuzer  der Kaiserlichen Marine lag vor Helgoland, als aus dem Morgennebel heraus britische Schiffe begannen, die Insel anzugreifen. Die "Mainz" feuerte zurück, ihre Torpedos bohrten sich in zwei britische Zerstörer.

Versenkt in der Nordsee

Doch dann geriet der Kreuzer unter Beschuss eines Zerstörer-Geschwaders. Dreimal wurde die "Mainz" getroffen, die Dampfleitungen barsten, am Ende trieb sie ohne Steuerung zwischen den feindlichen Schiffen.

Die Besatzung wollte um jeden Preis verhindern, dass ihr Schiff in die Hände der Briten fällt: Sie öffneten die Flutventile, die Mainz sank auf den Grund der Nordsee. Wer noch lebte, wurde vom britischen Zerstörer HMS "Lurcher" aufgefischt. Angeblich empfing Admiral David Beatty die Überlebenden mit den Worten: "Ich bin stolz, so tapfere Männer an Bord meines Geschwaders begrüßen zu dürfen."

Wracks von Kriegsschiffen, aus denen die Toten nicht geborgen werden konnten, gelten als Seekriegsgräber, die nach internationalem Recht nicht gestört werden dürfen. Und jeder Tauchgang zu einem Wrack ist eine Gefahr für die fragilen Überreste.

"Hotspot für Wrackplünderer"

Florian Huber, Unterwasserarchäologe und Forschungstaucher aus Kiel, ist wütend: "Aktionen wie die des Tauchteams Zeester motivieren andere Taucher, ebenfalls nach 'Schätzen' zu suchen", befürchtet er. Deshalb hat er nun gegen die Holländer Anzeige erstattet.

Huber kennt sich gut aus vor Helgoland, im vergangenen Jahr untersuchte er dort das Wrack der UC-71 aus dem Ersten Weltkrieg. Anwohner machten ihn im August auf das Duikteam Zeester aufmerksam.

"Es ist wohl auch nicht das erste Mal", erklärt er. Tauchschiffe dieser Art sind inzwischen zum gewohnten Anblick im Hafen geworden. "Es scheint, dass gerade die Wrackfundstellen rund um Helgoland aufgrund ihrer Abgeschiedenheit ein Hotspot für Wrackplünderer sind", sagt Huber.

"Wir wollen die Sachen nicht für uns behalten"

Jorne Dassen vom Duikteam Zeester kann die Aufregung nicht verstehen. Tote Marinesoldaten habe er bei dem Tauchgang nicht gesehen, schreibt er auf der Facebook-Seite der Gruppe. Er sieht sich auch nicht als Schatzsucher, sondern als Retter der Artefakte: "Wenn wir sie nicht hochholen, wären sie für immer verloren", rechtfertigt er sich.

Auch sein Kollege Remy Luttik ist sich keiner Schuld bewusst: "Wir wollen die Sachen ja nicht für uns behalten", erklärt er am Telefon. "Wir stellen sie aus, wir zeigen sie der Öffentlichkeit." Im Fenster ihres Büros im Hafen von Lauwersoog könne jeder, der vorbeigeht, die Funde ansehen, einige Stücke liegen außerdem in verschiedenen Museen.

Aber wie steht es mit der Unesco-Konvention über den Schutz des Unterwasser-Kulturerbes , die es untersagt, Wracks zu stören? "Die hat Deutschland nie ratifiziert", kontert Luttig. Und das stimmt tatsächlich.

Kooperation mit Sporttauchern?

Huber ist verzweifelt. Er kennt die Schäden, die vermeintliche "Retter" an den Wracks hinterlassen: "Sind die Funde erst aus ihrem Zusammenhang gerissen und an der Oberfläche, werden sie wertlos und zerfallen beim Kontakt mit Luftsauerstoff ziemlich schnell."

Ám liebsten würde der Archäologe mit den Hobbytauchern zusammenarbeiten. "Sporttaucher können als wertvolle Helfer agieren, indem sie Funde erkennen und melden und nicht eigenmächtig und illegal bergen", wünscht er sich. "Unser weltweites und reiches kulturelles Erbe unter Wasser ist genau wie das fragile Ökosystem Meer auf unseren Schutz angewiesen. Es ist also an uns allen, die Fundstellen und Tauchziele von heute für morgen zu erhalten."

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