Rat von Forschern So entsteht beim Waschen weniger Mikroplastik

Waschmaschinen tragen bei zur globalen Verseuchung mit Mikroplastik: Sie spülen winzige Textilfasern in die Abwässer. Wissenschaftler haben eine praktikable Idee, wie sich das stoppen ließe.
Wäsche auf dem Trockner: Kunstfasern können für eine hohe Belastung durch Mikroplastik sorgen

Wäsche auf dem Trockner: Kunstfasern können für eine hohe Belastung durch Mikroplastik sorgen

Foto: Cavan Images/ Cavan Images RF/ Getty Images

Soll ich meine Wäsche bei 40 oder bei 60 Grad waschen? Oder gar kochen? Mikrobiologen würden immer sagen: so heiß, wie es geht. Denn Waschen bei niedrigen Temperaturen verwandele die Waschmaschine in eine Keimschleuder, teils gefährliche Bakterien und Viren überlebten 30 oder 40 Grad und können so für Menschen mit geschwächtem Immunsystem zum Problem werden.

Wer wiederum die Umwelt schützen und Energie sparen will, sollte möglichst niedrige Waschtemperaturen wählen. Ein Team um Lucy Cotton und Richard Blackburn von der University of Leeds hat im Fachmagazin "Dyes and Pigments"  nun ein Plädoyer für den kühlen Waschgang veröffentlicht. Allerdings mit einer anderen Begründung: Die Belastung der Umwelt mit Mikroplastik werde deutlich verringert; zudem hielten die Kleidungsstücke länger. Zu dem Forscherteam gehörten auch zwei Mitarbeiter des Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble, der unter anderem Waschmittel herstellt. Die Firma übernahm auch die Finanzierung für einen Teil der Studie.

Schonwaschgang? Von wegen.

Klar ist: Waschmaschinen spülen Unmengen kleinster Plastikteilchen in die Umwelt, Fasern wie Polyester, Polyethylen und Elastan. Die Partikel sind so winzig, dass Kläranlagen sie nicht herausfiltern können. Beim Waschen von synthetischer Kleidung können auf diese Weise 500.000 bis sechs Millionen Mikrofasern pro Waschgang freigesetzt werden. Interessant dabei ist, dass der Schonwaschgang sogar eine höhere Plastikfracht ausschwemmt. Die Gründe dafür sind noch nicht vollständig verstanden. Es könnte damit zu tun haben, dass die Wäsche in diesem Fall häufiger mit Wasser durchgespült wird.

In ihrer aktuellen Studie rechnen die britischen Forscher nun vor, dass die Länge des Waschprogramms und die eingestellte Temperatur einen entscheidenden Einfluss darauf haben, wie viel Mikroplastik und Farbstoffe ins Wasser geraten – und wie stark die Textilien beansprucht werden. "Der Einsatz kürzerer, kühlerer Waschgänge ist ein einfacher Weg für jeden, seine Kleidung länger haltbar zu machen und sie von der Mülldeponie fernzuhalten“, so Forscherin Cotton.

Bei der Wäsche freigesetzte Mikrofasern unter dem Mikroskop

Bei der Wäsche freigesetzte Mikrofasern unter dem Mikroskop

Foto: P&G/ University of Leeds

Die Forscher hatten Wäscheproben - sowohl eigens für den Versuch zusammengestellte als auch von realen britischen Haushalten - für 30 Minuten bei 25 Grad gewaschen und zum Vergleich für 85 Minuten bei 40 Grad. Dabei fanden sie heraus, dass beim kühleren und kürzeren Programm bis zu 52 Prozent weniger Mikrofasern und bis zu 74 Prozent weniger Farbstoff aus den Kleidungsstücken freigesetzt wurden.

Interessant dabei ist, dass auch nach 16 Waschgängen noch große Mengen an Mikroplastik ihren Weg aus der Trommel fanden - es ist also nicht so, dass erst einmal lose Partikel herausgewaschen werden und das Kleidungsstück dann vergleichsweise frei davon wäre.

Für den beteiligten Industriepartner Procter & Gamble dürften die Ergebnisse interessant sein, weil sich Kunden so womöglich vom Kauf neuer Hochleistungswaschmittel überzeugen lassen, die bei niedrigen Temperaturen wirken – selbst wenn diese sich als teurer herausstellen. Und ob Hygieneexperten mit dem Kaltwaschgang zufrieden sind, werden deren Studien in den kommenden Jahren zeigen. So lange muss jeder selbst entscheiden, wie weit er den Temperaturregler an der heimischen Waschmaschine aufdrehen möchte.

chs
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