Nasen-Studie So könnte das Coronavirus den Geruchssinn lahmlegen

Warum können manche Covid-19-Patienten schlecht riechen und schmecken? Eine Studie gibt Hinweise - und liefert womöglich Behandlungsansätze.
Frau mit Mund-Nasen-Schutzmaske

Frau mit Mund-Nasen-Schutzmaske

Foto: Giulio Fornasar / iStockphoto / Getty Images

Immer wieder berichten Corona-Infizierte über merkwürdige Veränderungen ihres Geruchs- und Geschmackssinns. Eine Auswertung von über 4000 Menschen mit einer positiven Covid-19-Diagnose ergab beispielsweise, dass ihr Riechvermögen im Durchschnitt um rund 80 Prozent zurückging. Manche schmeckten sogar gar nichts mehr, lautete das Zwischenergebnis des Forschungszentrums Jülich.

Wissenschaftler glauben nun, den Grund dafür herausgefunden zu haben. Ihre Ergebnisse könnten möglicherweise ein neuer Ansatz für die Behandlung der Infizierten sein, schreiben die Experten von der Johns Hopkins University School of Medicine aus Baltimore (USA) im Fachmagazin "European Respiratory Journal". 

Sie hatten für ihre Studie Gewebe von 23 Menschen untersucht, die sich wegen verschiedener anderer Beschwerden wie zum Beispiel Tumoren oder chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen Operationen an der Nase unterziehen mussten. Bei diesen Gewebeproben wurden jeweils Biopsien vorgenommen.

Die Forscher konnten in den Proben unter dem Mikroskop dank Leuchtmarkern ein extrem hohes Vorkommen des Enzyms ACE2 (Angiotensin Converting Enzyme II) in den Zellen der Riechschleimhaut nachweisen. Es ist genau jenes Areal der Nase, in denen die Sinneszellen des Geruchssinns stecken. In diesen Zellen fanden sie ACE2 bis zu 700 mal häufiger als in Gewebeproben aus anderen Körperregionen.

Wie verschiedene Studien ergeben  hatten, steht das Enzym allerdings auch im Verdacht, bei Infektionen mit Sars-CoV-2 eine entscheidende Rolle zu spielen. Es soll den Viren den Eintritt in die Körperzellen ermöglichen. Die Proteine an der Virushülle docken an ACE2-Proteine an, sie greifen ineinander wie Schlüssel und Schloss. So kann das Virus beispielsweise in Pneumozyten gelangen. In den Zellen in der Lunge vermehrt es sich und verursacht Atemprobleme.

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Im Bereich der Nase könnte dieses Einfallstor und die damit verbundene Ausbreitung der Viren die Zellfunktion ebenfalls stark vermindern oder ganz ausschalten und eine Anosmie oder Hyposmie auslösen. So bezeichnen Experten den kompletten Verlust des Geruchssinns oder ein vermindertes Geruchsvermögen. 

Die aktuellen Ergebnisse müssten nun noch durch weitere Untersuchungen bestätigt werden, sagte Andrew Lane von der US-amerikanischen Hochschule. "Wenn das der Fall ist, dann könnten wir in der Lage sein, die Infektion mit antiviralen Therapien zu bekämpfen, die direkt in die Nase gegeben werden."

Neue Behandlungsmöglichkeiten

Der nicht an den Forschungen beteiligte Mediziner Tobias Welte von der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover sprach von einer "klugen Studie", die sowohl den Geruchsverlust bei vielen Infizierten erklären als auch neue Behandlungsmöglichkeiten schaffen könnte. Aber auch er hält weitere Forschungen für nötig.

Eingeschränktes Riechen oder Schmecken ist auch von anderen Viruserkrankungen bekannt, beispielsweise von Influenza. Dabei greifen die Viren direkt die Riechrezeptoren in der Nase an und schalten sie aus.

joe/dpa
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