Sozialer Kitt Neue Kollegen halten Gruppen gesund

Ob mehrere Menschen längerfristig zusammenarbeiten oder miteinander kommunizieren, ist nicht nur eine Frage von Vitamin B - obwohl Beziehungen im Kleinen helfen. Große Gruppen stabilisiert jedoch ein häufiger Mitgliederwechsel: Das ist interessant für Manager großer Unternehmen.

Faust wollte einst erfahren, was die Welt im Innersten zusammenhält. Ganz so ambitioniert gingen Tamás Vicsek und seine Kollegen von der Eötvös-Universität in Budapest nicht vor. Sie beschränkten sich auf die im Vergleich dazu banal klingende Frage, was eine Gruppe im Innersten zusammenhält. Doch die Antwort darauf ist alles andere als einfach - und sie hängt auch von der Gruppengröße ab, wie die Wissenschaftler im Wissenschaftsmagazin "Nature" (Bd. 446, S. 664) berichten.

Die Statistiker aus Ungarn und den USA werteten für ihre Analyse die Datenbank von "Condensed Matter" mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen von mehr als 30.000 Autoren aus 142 Monaten sowie die Aufzeichnungen über alle Telefongespräche von etwa vier Millionen Kunden eines Mobilfunkanbieters aus.

Man habe sich bewusst für zwei grundlegend unterschiedliche Netzwerke entschieden, schreiben die Forscher, um aus möglichen Gemeinsamkeiten auf generelle Effekte schließen zu können. Bei "Condensed Matter" interessierten sich die Wissenschaftler dafür, wer mit wem wie häufig gemeinsam Artikel veröffentlichte. Bei den Handybenutzern war die Frage, wer wie oft mit wem telefonierte.

Innerhalb der beiden Netzwerke bildete sich mit der Zeit eine ganze Reihe kleinerer und größerer Gruppen, wobei die Wechselwirkungen bei den Forscherkooperationen insgesamt dynamischer waren als bei den Telefonkunden. Für beide galt jedoch, dass sich die Gruppendynamik zwischen kleinen und großen Gruppen deutlich unterschied: Bei kleinen Gruppen war eine möglichst statische Zusammensetzung des Kerns mit lediglich geringen Veränderungen bei den anderen Mitgliedern optimal, um eine lange Lebensdauer der Gruppe zu erreichen. So habe es etwa eine Forscherkooperation gegeben, in der drei Individuen eine Gruppe über 52 Monate lang zusammenhalten konnten.

Ständiger Durchfluss stabilisiert große Gruppen

Die großen Gruppen hielten dagegen umso länger, je mehr Fluktuationen es gab, sowohl bezüglich der Zusammensetzung als auch der Gruppengröße. Solche losen Gemeinschaften finden sich beispielsweise bei Institutionen oder großen Firmen, die auch dann weiterexistieren, wenn alle Mitglieder nach und nach durch andere ersetzt worden sind.

Um vorherzusagen, ob eine Gruppe stabil bleibt oder nicht, seien außerdem die Kontakte der einzelnen Mitglieder innerhalb und außerhalb der Gemeinschaft entscheidend, berichten die Forscher: Eine Gruppe existiere umso länger, je mehr Beziehungen die Angehörigen zu anderen Mitgliedern der Gruppe hätten und je weniger nach außen.

Investieren die Mitglieder hingegen viel Zeit und Energie in Kontakte zu anderen Gruppen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Gemeinschaft zerfällt. Die Ergebnisse könnten nach Angaben der Forscher helfen, die Struktur und die Entwicklung von Gesellschaften besser zu verstehen.

hda/ddp

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