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26. Oktober 2011, 13:15 Uhr

Spektakulärer Fund

Wrack aus gigantischer Mongolen-Invasionsflotte aufgespürt

Es gehörte zur Flotte des Mongolen-Herrschers Kublai Khan: Mit Ultraschallwellen haben Forscher ein gut erhaltenes Wrack geortet, das aus dem 13. Jahrhundert stammen soll. Es sind Relikte der wohl größten Schiffs-Invasion bis zum D-Day im Zweiten Weltkrieg.

Es waren "göttliche Winde", sogenannte Kamikaze-Winde, die Japan vor den Mongolen schützten. Anders konnten es sich die Angegriffenen im 13. Jahrhundert nicht erklären, dass zwei Mongoleninvasionen nacheinander scheiterten - und das, obwohl die Angreifer schon auf der japanischen Insel Kyushu gelandet waren. Doch die Krieger mussten sich sowohl 1274 und 1281 auf ihre Schiffe zurückziehen und wurden dort von so heftigen Stürmen überrascht, dass große Teile ihrer Flotte zerstört wurden.

Jetzt haben Forscher auf dem Meeresboden vor Japan einen zwölf Meter langen Rumpf eines Schiffes gefunden, das sie für einen Teil der mongolischen Flotte aus dem 13. Jahrhundert halten. In 25 Meter tiefem Wasser an der Küste vor Nagasaki war das Wrack einen Meter tief im Sand vergraben - vermutlich ein Grund dafür, warum es besonders gut erhalten ist. Aufspüren konnten die Wissenschaftler das Wrack mit Hilfe von Ultraschall-Messgeräten.

"Der Fund ist besonders wichtig für unsere Forschung", sagte der Archäologe und Teamleiter Yoshifumi Ikeda von der Universität Ryukyu in Nishihara auf einer Pressekonferenz in Nagasaki. "Wir planen, unsere Suchaktionen noch zu vergrößern und weitere Informationen zu finden, die uns helfen, das gesamte Schiff zu restaurieren." Vorsorglich werde das Wrack nun durch Netze geschützt, so Ikeda.

Kanonenkugeln, Steinanker und Keramikscherben

Die Wissenschaftler berichten, es sei der erste Fund dieser Art, bei dem der Rumpf eines Schiffes so gut erhalten ist. Dieser besteht aus Holz, war grau-weiß angestrichen und wird noch immer von Nägeln zusammengehalten, wie der britische Fernsehsender BBC berichtet. "Ich glaube, wir werden jetzt besser verstehen, wie damals Schiffe gebaut wurden", sagte Ikeda in Nagasaki.

Doch nicht nur das Äußere des Schiffes ist gut erhalten, auch einen Teil der Ladung können die Unterwasserarchäologen jetzt begutachten: Über 4000 Überreste wie große Ballaststeine, Kanonenkugeln, Keramikscherben und Steinanker haben die Forscher in der Umgebung des Wracks gefunden, berichtet der US-Sender CNN.

Die Funde könnten auch Rückschlüsse auf die die Yuan-Dynastie (1271 bis 1368) ermöglichen, die Ära, in der die Mongolen China beherrschten. Kublai Khan, ein Enkel von Dschingis Khan, herrschte zwischen 1260 und 1294. Sein erklärtes Ziel war, das japanische Kaiserreich einzunehmen. Nachdem die Japaner sich jedoch geweigert hatten, sich den Mongolen zu unterwerfen, stachen auf den Befehl von Kublai Khan 1274 zunächst rund 800 Schiffe in See. Ein Taifun zerstörte vermutlich ein Drittel der Flotte und die Angreifer mussten sich nach den schweren Verlusten zurückziehen.

Sieben Jahre später wartete Kublai Khan mit einer riesigen Truppe auf: Bis zu 140.000 Mann - Mongolen, Chinesen und Koreaner - sollen damals auf 4400 Schiffen in den Krieg gezogen sein, um Japan zu unterwerfen. Doch die Japaner hatte sich inzwischen gewappnet: Überzeugt davon, dass die Mongolen wiederkehren würden, hatten sie sich mit Waffen ausgerüstet und strategische Abwehrzonen eingerichtet. Erneut wurden die Mongolen von einem Taifun überrascht, der einen Großteil der Flotte zerstörte.

Das nun entdeckte Schiff soll eines davon gewesen sein.

hei

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