Spektakulärer Kriegerfund Begraben unter Gold

Er lag 2500 Jahre unter der Erde - über seinem Torso Gold in Hülle und Fülle. Forscher haben in Kasachstan die Überreste eines skythischen Kriegers entdeckt. Der sogenannte Sonnenherrscher lebte etwa zur gleichen Zeit wie der berühmte "Goldene Mensch".

Kazinform

Astana - Der griechische Geschichtsschreiber Herodot nannte sie die Pferdemelker, doch übermäßig viel weiß die Menschheit nicht von den Skythen, die im ersten vorchristlichen Jahrtausend als Reiternomaden mit ihren Pferden und Zelten durch die Steppen Eurasiens fegten. Weil es keine Schriftdokumente von ihnen gibt, sind Archäologen auf den Spuren der kriegerischen Völker allein auf Funde angewiesen. Jetzt ist ihnen in Kasachstan ein solcher gelungen: Sie fanden einen Krieger, dessen Oberkörper vollständig in Gold gehüllt war.

Das Grab entdeckten die Forscher in einer Anlage mit insgesamt sieben Grabhügeln in der Region Karaganda östlich der Hauptstadt Astana. Die reiche Ausstattung des Toten zeige, dass es sich um einen Krieger, zugleich aber um einen Herrscher gehandelt haben muss, sagte der Expeditionsleiter Arman Bejsenow dem Onlinedienst "Eurasianet". "Sein gesamter Torso war mit Gold bedeckt. Eine solche Führungspersönlichkeit wurde mit der Sonne in Verbindung gebracht." Die Forscher haben dem Toten inzwischen den Spitznamen "Sonnenherrscher" gegeben.

Vermutlich sei der Krieger im vierten oder fünften Jahrhundert vor Christus begraben worden. Er soll zum Volk der Saken gehört haben, die zu den Skythen gezählt werden. In dem Grabhügel stießen die Archäologen auf insgesamt 130 Goldobjekte, darunter die Figur einer Raubkatze, einen Anhänger, Teile von Schwertgürteln, Hunderte Goldkügelchen und 14 Pfeilspitzen aus Bronze.

"Es ist schwer, ein intaktes Grab zu finden"

Das Grab war bereits vor rund 50 Jahren entdeckt worden - doch die Ausgrabungen begannen erst 2009. Die Gräber seien mehrfach geplündert worden, sagt Bejsenow. "Es ist schwer, ein intaktes Grab zu finden", bestätigt auch der Berliner Archäologe Hermann Parzinger, Chef der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Weil die Grabhügel über der Erde leicht sichtbar seien, hätten sie Räuber angezogen. Immerhin seien aber einige Funde zurückgeblieben.

Parzinger hatte vor neun Jahren in Südsibirien ein riesiges Skythengrab aufgespürt - gefüllt mit insgesamt 20 Kilogramm Goldschmuck. Die Entdeckung hatte für weltweites Aufsehen gesorgt. Vor allem ein rund drei Kilo schwerer und mit Tierornamenten verzierter Halsreif aus Massivgold hatte das Interesse auf sich gezogen. Derzeit gräbt der Forscher wieder in Kasachstan. Zusammen mit einem Team untersucht er im Osten des Landes eine Fundstelle aus der Übergangsphase von der Bronzezeit zur Skythen-Ära.

Die Skythen hatten im ersten Jahrtausend vor Christus nördlich des Schwarzen Meers gelebt. Dort war es auch, wo sie mit der griechischen Kultur in Berührung kamen. Gegen Ende des vierten Jahrhunderts waren die Skythen aus ihren Gebieten wieder nach Osten verdrängt worden. Später gingen die Nomaden zum Ackerbau über, bauten feste Wohnsitze und Befestigungsanlagen.

Vor vier Jahren hatten unter anderem deutsche Archäologen einen Skythensarg aus einem antiken Grab im mongolischen Altai-Gebirge geborgen und geöffnet. Der Mann war vor 2500 Jahren gestorben. Die Forscher fanden einen gut erhaltenen Leichnam in einen Pelzmantel aus dem Fell von Murmeltieren und Schafen - und ein reich gedecktes Tablett mit einem Leichenschmaus.

In Kasachstan wird der nun gefundene "Sonnenherrscher" laut "Eurasianet" bereits mit dem "Goldenen Menschen" verglichen, der 1969 in der Nähe der kasachischen Stadt Almaty gefunden wurde. Bei ihm soll es sich um einen sakischen Fürsten handeln, der ebenfalls im vierten oder fünften vorchristlichen Jahrhundert gelebt hat und mit rund 4000 Goldobjekten begraben wurde. Er ist seit seiner Entdeckung zu einem nationalen Symbol geworden.

chs/mbe



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Intelligenz_93 23.07.2010
1. Schön!
Von solchen Entdeckungen zu erfahren ist immer wieder schön - für die Forschung, jetzt, und für die Museen und Touristen, bald.
snickerman 23.07.2010
2. Hier könnte mein Klarname stehen
Das gibt einen Eindruck von der reichen Kultur Zentralasiens vor den Mongolenstürmen im Mittelalter und dem religiösen Fanatismus der Jetztzeit. Aber weniger die Fundamentalisten als vielmehr die nackte Not, zerfallene Staatsstrukturen und natürlich die Nachfrage aus den reichen Ländern haben dafür gesorgt, dass ganze antike Städte in Afghanistan (auch im Irak) von Raubgräbern derart durchpflügt worden sind- man glaubt vom pockennarbigen Aussehen her, die Amerikaner hätten flächendeckend Streubomben abgeworfen... Da ist dann nichts mehr zu finden...
angela_merkel 23.07.2010
3. ist das nicht Grabschändung ...
und Störung der Totenruhe, die hier mit deutschen Steuergeldern betrieben wird ? Was hat eigentlich die vom Steuerzahler finanzierte Stiftung "Preussischer Kulturbesitz" in zentralasien und Sibirien zu suchen ? Beide Regionen haben nie zu Preussen gehört. Wann darf man eigentlich in Deutschland Friedhöfe durchwühlen und plündern ? 20 Jahre nach der Beerdigung, 50 Jahre danach ? Nach 100 Jahren ? Ich fahr schon mal zum Obi und kaufe mir einen Spaten.
Besser-als-gutmensch 23.07.2010
4. Kein Titel
Zitat von snickermanDas gibt einen Eindruck von der reichen Kultur Zentralasiens vor den Mongolenstürmen im Mittelalter und dem religiösen Fanatismus der Jetztzeit. Aber weniger die Fundamentalisten als vielmehr die nackte Not, zerfallene Staatsstrukturen und natürlich die Nachfrage aus den reichen Ländern haben dafür gesorgt, dass ganze antike Städte in Afghanistan (auch im Irak) von Raubgräbern derart durchpflügt worden sind- man glaubt vom pockennarbigen Aussehen her, die Amerikaner hätten flächendeckend Streubomben abgeworfen... Da ist dann nichts mehr zu finden...
Natürlich ist wieder der Westen schuld - so wie immer in den Augen einiger hier. Ob Raubgräber, Bürgerkriege, Armut - alles unsere Schuld und niemals die Schuld derer, die aktiv beteiligt sind. Natürlich darf auch ein Seitenhieb auf die Amerikaner nicht fehlen. Dabei würde ich dem Foristen einmal Literatur hinsichtlich der Wirkung von Streubomben empfehlen, damit sich zumindest seine Vergleiche an der Realität orientieren können.
Kopflaus, 24.07.2010
5. Wow!
Die Halskette ist fantastisch. Zeitlos schönes Design und höchste Kunst in der Umsetzung. Haben will!!
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