Sport-Studie Trink-Exzesse während des Laufens helfen nicht

Marathonläufer versuchen zuweilen, ihren Flüssigkeitsverlust während des Wettkampfs durch exzessives Trinken auszugleichen. Forscher haben Athleten jetzt mit Thermometern laufen lassen und herausgefunden: Die Sport-Weisheit vom kühlen, schnelleren Lauf ist Mumpitz.


Flapp, flapp, flapp – kurz hinter dem Versorgungsstand regnet es kleine Plastikflaschen oder Trinkbecher. Den Anblick kennt jeder Helfer einer Laufveranstaltung. Doch auch am weiteren Streckenrand findet sich Durst-Müll: Viele Läufer decken sich üppig mit Wasser ein und trinken unterwegs so viel, wie sie nur schlucken können.

Kühlt nur äußerlich: Forscher fanden bei Läufern keinen Zusammenhang zwischen getrunkener Wassermenge und Körpertemperatur
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Kühlt nur äußerlich: Forscher fanden bei Läufern keinen Zusammenhang zwischen getrunkener Wassermenge und Körpertemperatur

Je mehr kühles Nass, desto besser, gilt als Regel unter Laufbegeisterten. Denn je eher ein Sportler den Flüssigkeitsverlust während des Wettkampfs ausgleiche, desto kühler bleibe sein Körper. Der Leistung zuträglich soll das Ganze auch sein. Doch diese Sport-Weisheit stimmt nicht, wie der Mediziner Chris Byrne von der University of Exeter jetzt herausgefunden hat.

Bisherige Untersuchungen krankten daran, dass die Körpertemperatur meist nur vor und nach dem Wettkampf gemessen worden ist, nie aber kontinuierlich während des gesamten Laufs. Das haben Byrne und sein Team nun mit einer Gruppe von Läufern gemacht, die am Halbmarathon der Armee von Singapur teilnahmen. Temperatursensoren im Magen der Sportler meldeten über die gesamten 21 Kilometer des Rennens, wie sehr die Körpertemperatur von den gewöhnlichen 37 Grad Celsius abwich.

Der größte Trinker erhitzte sich auch am meisten

Der Lauf selbst war eine Strapaze für die Athleten: 75 bis 90 Prozent Luftfeuchtigkeit, 26 bis 29 Grad Lufttemperatur im Schatten. Anderthalb Liter Schweiß verloren die Probanden im Schnitt pro Stunde. Die Teilnehmer ersetzten zwischen 6 und 73 Prozent ihres Flüssigkeitsverlustes durch neues Wasser. Die höchste gemessene Körpertemperatur lag bei 41,7 Grad Celsius – und das ausgerechnet bei jenem Versuchsteilnehmer, der am meisten getrunken hatte.

In der Fachzeitschrift "Medicine and Science in Sports and Exercise" berichtet der Sportmediziner Byrne: Zwischen Trinkmenge, Erhitzung und sportlichem Abschneiden gibt es keinen Zusammenhang. Der Forscher rät deshalb Läufern, vor Wettkämpfen viel zu trinken, während des Rennens aber nicht mehr, als der Durst verlange. "Mehrere Liter Wasser zu trinken, lässt sie ganz sicher nicht schneller laufen", sagte er.

Mediziner warnen sogar eindringlich davor, beim Laufen zu viel zu trinken - denn es drohen bei weitem gefährlichere Folgen als nur stagnierende Leistungen. Vor zwei Jahren haben Mediziner bei einer Studie mit knapp 500 Läufern festgestellt, dass 13 Prozent der Sportler nach dem Wettkampf zu wenig Natrium im Blut hatten. Der Grund: Zu viel Wasser kann den Salzgehalt der Körperflüssigkeiten verändern und so zu Natriummangel führen. Die Folgen können Verwirrung, Krämpfe, Atemprobleme, Bewusstlosigkeit und sogar der Tod sein.

stx



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