Sportforschung Rekorde sind reiner Zufall

Über Leichtathletik-Rekorde bestimmt meist der Zufall, hat ein deutsch-britisches Forscherteam errechnet. Nur in wenigen Disziplinen gibt es demnach echte sportliche Fortschritte.


Leichtathletik-Star Maurice Green: Alles nur Zufall?
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Leichtathletik-Star Maurice Green: Alles nur Zufall?

Wenn auf der Tartanbahn die Bestmarken fallen, führt offenbar meist der Zufall Regie. In vielen Leichtathletik-Disziplinen entsprächen die Rekorde der statistischen Berechenbarkeit, berichten Forscher aus Deutschland und Großbritannien in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature". Nur in wenigen Bereichen überträfen die Leistungen die mathematischen Vorhersagen.

Das Team um Daniel Gembris vom Institut für Medizin am Forschungszentrum Jülich hatte zunächst die Bestleistungen von Männern bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften von 1973 bis 1984 ausgewertet. Anhand der Daten aus 22 Disziplinen ermittelten sie eine Rekordprognose für die folgenden zwölf Jahre, ohne dabei mögliche Leistungsverbesserungen durch neue Trainingsmethoden oder Ausrüstung einzukalkulieren.

Beim Vergleich mit den tatsächlichen Bestleistungen aus den Folgejahren fanden die Wissenschaftler ihre Vorhersage weitgehend bestätigt. Nur in vier Disziplinen hätten die Rekorde deutlich den statistisch ermittelten Wert übertroffen, so die Forscher. Dazu gehörten Stabhochsprung, 110-Meter-Hürdenlauf sowie 20 und 50 Kilometer Gehen.

In diesen Disziplinen könne man davon ausgehen, dass systematische Veränderungen zu den neuen Bestleistungen geführt hätten. Für die anderen Rekorde, die der statistischen Wahrscheinlichkeit entsprachen, sind dem Team zufolge eher unkontrollierbare Faktoren wie zum Beispiel Klima oder Wind verantwortlich. Ähnliche Berechnungen für Weltbestleistungen ergaben vergleichbare Ergebnisse.

Rein rechnerisch, so Gembris, würden die Leichtathleten in den nächsten Jahren bei der Rekordjagd nicht an ihre Grenzen stoßen. Wie der Jülicher Wissenschaftler vermutet, schwindet dabei jedoch zunehmend die Bedeutung von kontrollierbaren Faktoren wie Trainingsmethoden und Ausrüstung. Im Gegensatz dazu werde der Zufall eine noch größere Rolle spielen.



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