Sprengstoff-Schnüffler Nager als Minensucher

Hamsterratten sollen Hunden Konkurrenz bei der Suche nach Landminen machen. Forscher ließen die Nager mit dem feinen Näschen versuchsweise nach Sprengsätzen schnüffeln - und waren begeistert vom Talent ihrer Schützlinge.

Ein Team der Universität Antwerpen hat nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" in Tansania erfolgreiche Tests durchgeführt. Afrikanische Riesenhamsterratten (Cricetomys gambianus) seien dort nach einer dreimonatigen Ausbildung zur Minensuche eingesetzt worden.

Die Nager, die rund anderthalb Kilogramm schwer und acht Jahre alt werden, haben nach Meinung der Wissenschaftler eine außergewöhnlich feine Nase und können im Erdreich vergrabene Sprengsätze problemlos orten. Dazu laufen sie an einer langen Leine so lange umher, bis sie eine Mine finden und nach ihr scharren - natürlich ohne ihre Beute zu bekommen. Acht Hamsterratten seien bereits erfolgreich an 14 verschiedenen Minentypen getestet worden.

Die Stiftung "Menschen gegen Minen" will nach Angaben ihres Sprechers Hendrik Ehlers die Nager Ende dieses Jahres erstmals zur Kontrolle bereits geräumter Minenfelder einsetzen. Auch Honigbienen werden vielleicht bald auf Minensuche geschickt. Im Auftrag der US-Armee führten Insektenkundler von den Sandia National Laboratories in den USA entsprechende Tests durch. Die Bienen sammeln, so die Forscher, neben Blütenpollen auch Staubpartikel und flüchtige Chemikalien. Sensoren in Bienenstöcken könnten Spuren von Sprengstoff entdecken und Spezialantennen die Flugroute der Bienen verfolgen. Ein realer Einsatz der Insekten liege jedoch noch in weiter Ferne.

Arbeit hätten Nager und Bienen reichlich: Mehr als hundert Millionen Landminen sind nach Zahlen der Internationalen Kampagne zur Ächtung von Landminen weltweit vergraben. Mehr als 27 Millionen seien allein im Jahr 2000 zerstört worden. Im gleichen Zeitraum seien bis zu 20.000 Menschen Opfer der tückischen Killer geworden, die meisten von ihnen in Kambodscha und Afghanistan.