Springer Nature Deutscher Wissenschaftsverlag zensiert Angebot in China

Der Wissenschaftsverlag Springer Nature hat einen Teil seines Angebots für Internetnutzer in China gesperrt. Es ist nicht das erste Mal, dass Verlage auf den Druck des Staates mit Zensur reagieren.

Springer Nature-Stand bei der Buchmesse in Peking
Mark Schiefelbein/AP

Springer Nature-Stand bei der Buchmesse in Peking


Der deutsche Wissenschaftsverlag Springer Nature hat auf Druck der Regierung in Peking Teile seines Internetangebots in China zensiert. Wie der Verlag mitteilte, seien "weniger als ein Prozent der Inhalte" gesperrt worden, um nicht in Konflikt mit lokalen Gesetzen zu geraten. Welche Themen die nun gesperrten Inhalte behandelten, wollte eine Sprecherin des Verlags zunächst nicht kommentieren.

Andere Medien hatten berichtet, dass die Sperre vor allem Artikel über in China als heikel geltende Themen wie Taiwan, dem Massaker am Tian'anmen-Platz oder Tibet betreffe. Laut "Financial Times" sind tausend Springer Nature Artikel mit solchen und ähnlichen Inhalten betroffen. Die Texte konnten nur noch mit Hilfe einer VPN-Software gefunden werden, mit der sich die Internetsperren des Landes umgehen lassen. Auch das wird allerdings zunehmend schwierig.

"Diese Maßnahme ist zutiefst bedauerlich, wurde aber getroffen, um weitaus größere Auswirkungen auf unsere Kunden und Autoren zu verhindern", hieß es in der Erklärung weiter. "Würden wir nicht handeln, bestünde das sehr reale Risiko, dass sämtliche unserer Inhalte geblockt würden."

Springer Nature ist international tätig und hat nach eigenen Angaben 275.000 Bücher und 3000 wissenschaftliche Zeitschriften im Programm - darunter auch die renommierten Zeitschriften "Nature" und "Scientific American".

China hat seine Zensur immer weiter verstärkt

Bereits im August hatte der britische Verlag Cambridge University Press (CUP) kurzzeitig Fachartikel in China gesperrt. Nach heftiger Kritik von Wissenschaftlern in aller Welt nahm CUP seine Entscheidung jedoch zurück.

Um die Verbreitung von unliebsamen Informationen zu unterbinden, hat China seine Internetzensur in den vergangenen Jahren immer weiter verstärkt. Soziale Medien wie Facebook, Twitter und YouTube oder Googledienste sowie Zeitungen wie "New York Times" und chinakritische Webseiten sind gesperrt. Auch der Kurznachrichtendienst WhatsApp wurde zuletzt wiederholt blockiert.

jme/dpa



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