Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Spürhunde erkunden indianisches Tal der Toten

Weil Hunde auch vor Jahrhunderten vergrabene Knochen aufspüren können, durchsucht ein Team mit Hilfe der tierischen Spürnasen einen indianischen Begräbnisplatz in Kalifornien. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: ein mysteriöser Kuh-Kult und Goldmünzen, die gar keine sind.
Feine Nase: Spürhund beim Training

Feine Nase: Spürhund beim Training

Foto: Institute for Canine Forensics

+++ Archäologische Leichenspürhunde +++

Dass Leichenspürhunde bei der Suche nach Vermissten eingesetzt werden, ist kein ungewöhnlicher Anblick. Doch wie alt können die Knochen sein? Wie stark müssen sie noch nach Knochen riechen, damit die feinen Hundenasen sie aufspüren können? Die Antwort ist: Die Knochen können verdammt alt sein.

Im kalifornischen Ocotillo ist derzeit eine Hundestaffel im Einsatz, deren Tiere auf das Aufspüren von Knochen in archäologischen Kontexten spezialisiert sind. Sie untersuchen ein Gelände, auf dem ein Windpark entstehen soll, auf Begräbnisse der Stämme der Kumeyaay, der Cocopah und der Quechan. Die Indianer nennen das Gelände "Tal der Toten" - es ist voll von Scheiterhaufen, auf denen ihre Vorfahren die Toten verbrannten.

Eine Stelle gilt als Fundort, wenn mindestens zwei Hunde sie anzeigen. Die Hunde melden den Fund von alten Knochen mit ihrer Körpersprache. Zum Beispiel schnüffeln sie intensiv an einer Stelle und setzen sich dann dort hin. Im Laufe eines Tages konnte die Hundestaffel so 32 Stellen finden, an denen menschliche Überreste liegen. Die Ausbildung gleicht derjenigen für Leichenspürhunde, nur wird statt mit frischen menschlichen Überresten mit entsprechend alten Knochen und Zähnen trainiert.

+++ Gräberkomplex eines mexikanischen Urvolks entdeckt +++

Irgendwann wurde es einfach zu voll. Als der Platz in Monte Albán, der Hauptstadt des mesoamerikanischen Volks der Zapoteken, knapp wurde, entschied man sich zur Expansion. Das war vor mehr als anderthalbtausend Jahren. Zu den auf diese Weise gegründeten Satellitenstädten zählt auch Atzompa - und dort haben Archäologen des mexikanischen Instituto Nacional de Antropología e Historia (INAH) nun einen mehr als 1100 Jahre alten Grabkomplex entdeckt.

Er befindet sich in der Nähe des sogenannten Hauses der Altäre, das wohl der Elite von Atzompa vorbehalten war. Die Archäologen gehen deswegen davon aus, dass im Inneren des neu entdeckten Grabes wichtige Würdenträger bestattet wurden. Allerdings können sie nicht genau sagen, um wen es sich gehandelt haben könnte. Besonders ist die Anordnung der drei Grabkammern im Inneren des Komplexes - sie liegen nämlich übereinander. Bisher war Archäologen so eine Bauform in der Region nicht bekannt.

Die Kammern sind nach INAH-Angaben zum Teil mit farbenprächtigen Wandbildern versehen. Diese enthalten auch Verweise auf das rituelle Ballspiel der Zapoteken. Bislang sind allerdings erst zwei der drei Kammern näher untersucht worden. Sie waren mit Steinen und Erde gefüllt worden, die Archäologen erst entfernen mussten. Möglicherweise sei das Gebäude absichtlich zerstört worden, als die Hauptstadt Monte Albán zwischen 850 und 900 von Angreifern besetzt wurde.

+++ Nomaden täuschten Goldschmuck vor +++

Mit einem Elektronenmikroskop ist der Anthropologe David Peterson vom Idaho State University Center for Archaeology, Materials, and Applied Spectroscopy (CAMAS) einigen Geheimnissen des Goldes aus den russischen Steppen auf die Spur gekommen. Die Funde, die Peterson untersuchte, stammen von den nomadischen Reitervölkern, die vor rund 4000 Jahren in der eurasischen Steppe lebten und ihre Toten in Kurganen - großen Erdhügeln - bestatteten.

In den Kurganen finden Archäologen oft wertvolle Metallarbeiten, Streitwagen und Menschen- sowie Tieropfer. Die Goldschmiede der Mittleren Wolga-Region vergoldeten viele Objekte mit einer Folie aus Electrum, einem Gold-Silber Gemisch. Dabei bearbeiteten sie die aufgelegte Electrumfolie mit Hitze und Chemikalien so, dass der Goldanteil an der äußeren Oberfläche zu liegen kam und die Objekte aussahen, als seien sie aus solidem Gold. Mit dieser Technik waren sie ihrer Zeit weit voraus.

"Es ist faszinierend, diese Technik in der russischen Steppe zu finden", kommentiert Peterson, "weil es ein Beispiel für eine hochkomplizierte Technologie ist, die einfach nur für Dekorationszwecke angewendet wurde. Und das über ein Jahrtausend bevor die Vergoldungstechnik im antiken Griechenland und in Rom perfektioniert wurde."

+++ Herculaneum am Schwarzen Meer +++

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Funde von Akra: In der Erde versiegelt

Foto: Todor Dimitrov/ The National Museum of History Sofia

Als die Avaren in der Stadt Akra am Schwarzen Meer einfielen, brannten sie die Siedlung nieder. Das Feuer verzehrte die Holzbalken der Häuser und ließ die schweren Ziegeldächer einstürzen. Doch das unglückliche Schicksal der Bewohner von Akra war das große Glück der Archäologen von heute. Denn das Feuer versiegelte die Funde in der Erde - ähnlich wie die Ascheschichten des Vesuvs Pompeji für die Nachwelt bewahrten. Als "bulgarisches Herculaneum" feiert denn auch der bulgarische Archäologe Bozhidar Dinitrov den Fund nahe der modernen Stadt Chernomorets.

Die Ausgräber fanden Vorratsgefäße, Amphoren, Lampen und zierliche Gläser. Viele der Waren stammen aus Nordafrika. Vier große Bronzemünzen aus den Ruinen zeigen das Porträt von Kaiser Justinian (527 - 565). In dem Bezirk, den die Archäologen derzeit ausgraben, standen große Wohnhäuser mit Steinfundamenten. Vor der Küste unter Wasser liegen auch die Reste einer byzantinischen Festung aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. "Auf Altgriechisch kann Akra Landspitze bedeuten, aber auch Festung oder Zitadelle", erklärt Ausgräber Ivan Hristov. "Viele historische Hinweise hatten uns schon Hinweise geliefert, dass hier eine große Stadt liegt."

+++ Kuh-Kult im Mittleren Westen +++

Welcher mysteriöse Kult wurde in Granger im US-Bundesstaat Indiana praktiziert? Ganz in der Nähe einer beliebten Shopping Plaza haben Arbeiter bei Bauarbeiten ein äußerst seltsames Begräbnis gefunden. Dort lagen die Knochen eines großen Tieres, wahrscheinlich einer Kuh, umgeben von Steinen aus Zement. Vom Skelett sind noch ein Langknochen und einige Rippen erhalten. In die Steine - drei ganz erhaltene und zwei Hälften - sind seltsame Zeichen eingeritzt. Eines davon ist eine Bibel: ein häufiges Symbol auf Grabsteinen. Ein anderes könnte eine Taube oder auch Flammen darstellen.

Die Knochen datieren auf das späte 19. Jahrhundert, etwa um das Jahr 1870. Die Fundstätte liegt auf dem Gelände eines Hauses, das schon in die Zeit vor 1870 zurückreicht. Ausgräber Jay Vanderveen von der Indiana University in South Bend hofft jetzt, in der Geschichte des Anwesens mehr über das seltsame Begräbnis zu erfahren.

Mitarbeit: Christoph Seidler