Spurensuche Steinbruch von Stonehenge entdeckt

Archäologen haben offenbar den Steinbruch entdeckt, aus dem die ältesten Brocken des weltberühmten Stonehenge stammen. Auf dem nur knapp einen Hektar kleinen Gelände fanden die Forscher zahlreiche Spuren aus der Jungsteinzeit.


Stonehenge: Steinbruch der ältesten Brocken gefunden
AP

Stonehenge: Steinbruch der ältesten Brocken gefunden

Das steinerne Monument von Stonehenge fasziniert Wissenschaftler und Esoteriker seit Jahrzehnten. Jetzt haben britische Archäologen nach eigenen Angaben den Steinbruch lokalisiert, aus dem vor rund 4500 Jahren die ältesten Brocken von Stonehenge geschlagen wurden.

"Innerhalb einer Einfriedung haben wir zahlreiche abschüssige Säulensteine gefunden, die klare Zeichen einer Bearbeitung aufweisen", sagt Tim Darvill von der Bournemouth University. Das weniger als einen halben Hektar große Gelände beim Fördergebiet Carn Menyn in Wales sei der Ursprungsort der ältesten Blöcke von Stonehenge, schreiben Darvill und Geoff Wainwright in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "British Archaeology". Der Steinbruch liege etwa 300 Kilometer westlich von der steinzeitlichen Kultstätte, nur wenige Kilometer von einem Fluss entfernt.

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Original-Stonehenge: Sonnenanbeter und New-Age-Pilger (Archiv)

Dass die Felsblöcke aus der südwalisischen Grafschaft Pembrokeshire stammen, ist schon lange bekannt. Die jüngsten Funde bestimmen nun aber nicht nur den genauen Ort der Gewinnung, sondern geben auch Hinweise auf die Arbeitstechniken. "Die Erbauer des ersten Kreises von Stonehenge dürften etwa 2500 vor Christus die Felsblöcke über den Fluss zu der Kultstätte geschafft haben", sagt Darvill im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Ausgrabung im Fördergebiet Carn Menyn in Wales: "Zahlreiche abschüssige Säulensteine"
Timothy Darvill

Ausgrabung im Fördergebiet Carn Menyn in Wales: "Zahlreiche abschüssige Säulensteine"

Viele der Spuren im Steinbruch seien aber deutlich jünger, so etwa Bohrlöcher, die auf fortschrittliche Arbeitstechniken späterer Nutzer hinwiesen. Die Erbauer des ersten Stonehenge mussten dagegen mit einfachen Mitteln arbeiten.

Deshalb verwendete man die kostbaren Steine dann auch in späteren Erweiterungen von Stonehenge immer wieder, so dass heute vom ursprünglichen Kreis nicht mehr viel zu sehen ist. Die walisischen Felsblöcke wurden während der über Jahrhunderte andauernden Bauarbeiten mehrfach neu arrangiert.

"So ein enormer Arbeitsaufwand lässt sich nur in einer Kultur mit klaren Hierarchien und Stammesstrukturen organisieren", so Darvill. "Es braucht große, wichtige Anführer für so etwas. Diese Gesellschaft war sicher nicht so primitiv, wie manche glauben mögen."

Benedikt Mandl



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