Stammzellen-Forschung Ärzte fordern Klon-Vebot

Die Genehmigung des ersten Klonversuchs mit einem menschlichen Embryo in Großbritannien ist in Deutschland auf starke Kritik gestoßen. Ärzte und Politiker sprachen sich in ersten Reaktionen für ein internationales Klonverbot aus.


 Stammzellen-Bank: Deutsche Ärzte wollen Klon-Verbot
REUTERS

Stammzellen-Bank: Deutsche Ärzte wollen Klon-Verbot

Die Bundesärztekammer verlangte ein international verbindliches Abkommen zum Embryonenschutz. Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, sagte, sowohl das Klonen zur Schaffung eines Babys als auch das Klonen zu Forschungszwecken müsse ausdrücklich unter Strafe gestellt werden. "Wir dürfen es nicht zulassen, dass Embryonen als Rohstofflieferanten gezüchtet werden", so Hoppe.

"Ethik ist menschliche Selbstverpflichtung, Mensch zu bleiben. Mit dem Klonen hingegen wird frühes menschliches Leben beliebig verfügbar gemacht", sagte der Ärztepräsident weiter.

Die britische Behörde für menschliche Befruchtung und Embryonenforschung hatte am Mittwoch ein Projekt genehmigt, bei dem Wissenschaftler aus einem geklonten Embryo Stammzellen gewinnen und diese zur Behandlung von Diabetes einsetzen wollen. Damit wurde erstmals von den seit dreieinhalb Jahren bestehenden erweiterten Möglichkeiten der Genforschung Gebrauch gemacht.

Für ein europaweites Embryonenschutzgesetz sprach sich der Ärzteverband Marburger Bund aus. "Unter dem Deckmantel der Forschungsfreiheit wird die Unteilbarkeit der Menschenwürde untergraben", kritisierte der Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery.

Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria Böhmer, warnte vor einer "äußerst beunruhigenden und fatalen Entwicklung in Europa". Die Politikerin forderte die Bundesregierung auf, sich in den anstehenden Verhandlungen um eine Klonkonvention der Vereinten Nationen für ein striktes generelles Verbot und ein breites internationales Bündnis einzusetzen. Sonst werde der Mensch zum Material.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.