Stammzellforschung Unionsminister befürworten Lockerung

Mehrere Minister und Abgeordnete aus den Reihen der Union haben ihre Haltung zur Stammzellforschung bekanntgegeben. Agrarminister Seehofer und Verteidigungsminister Jung gehören zu den Politikern, die eine Lockerung der strikten Regeln für Wissenschaftler in Deutschland befürworten.

Von Christian Schwägerl


Nach Bundesforschungsministerin Schavan (CDU) stellen sich weitere konservative Minister und Abgeordnete gegen die Position der katholischen Kirche zur Forschung an embryonalen Stammzellen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE unterzeichneten Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und Agrarminister Horst Seehofer (CSU) den Gruppenantrag, der deutschen Forschern größeren Freiraum bei der Nutzung von embryonalen Stammzellen des Menschen verschaffen soll.

Extraktion einer Stammzelle aus einem menschlichen Embryo: Unionspolitiker wollen die Regeln für Forscher lockern
AP

Extraktion einer Stammzelle aus einem menschlichen Embryo: Unionspolitiker wollen die Regeln für Forscher lockern

Hat der Antrag Erfolg, dürften Wissenschaftler statt nur einer kleinen Zahl von Zellinien mehr als 500 Linien nach Deutschland importieren, die weltweit existieren. Dazu würde der derzeit geltende gesetzliche Stichtag vom 1. Januar 2002 auf den 1. Mai 2007 verschoben. Einen Gruppenantrag, der noch weiter geht und im Dienst einer "menschenfreundlichen Medizin" eine völlige Abschaffung des Stichtags fordert, haben bereits 16 Unionspolitiker unterschrieben, darunter Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Wirtschafts-Staatssekretär Peter Hintze.

Der Bundestag wird Forschungsministerin Schavan zufolge noch vor Ostern über die Zukunft der Stammzellforschung in Deutschland entscheiden. Die Stichtagsregelung legt bisher fest, dass nur solche Kulturen importiert werden dürfen, die vor dem 1. Januar 2002 bereits existiert hatten. Die dadurch verfügbaren Zellen sind nach Angaben der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aber nicht mehr für eine international wettbewerbsfähige Forschung zu gebrauchen. Zahlreiche katholische Bischöfe hatten vor Weihnachten mit scharfen Worten vor einer Aufweichung des Embryonenschutzes gewarnt und Schavan persönlich attackiert.



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