Statistik Forscher finden Indizien für Wahlbetrug in Russland

Hohe Wahlbeteiligung, dabei in vielen Regionen ungewöhnlich viele Stimmen für eine Partei - solche statistischen Besonderheiten können Wahlbetrug verraten, berichten Forscher. Russland und Uganda wollen sie bereits überführt haben.
Wahl in Russland: "Schon sehr außergewöhnlich"

Wahl in Russland: "Schon sehr außergewöhnlich"

Foto: Alexander Zemlianichenko Jr/ AP

Wien/Hamburg - Mit einer neuen Analyseart von Auszählergebnissen wollen Wiener Forscher Wahlbetrug nachweisen. Russland und Uganda hätten sie schon überführen können, berichten Stefan Thurner und Peter Klimek im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". Mit statistischen Methoden checkten sie Wahlergebnisse und könnten so mögliche Manipulation feststellen, schreiben sie.

Die Methode der Forscher von der Medizinischen Universität Wien funktioniert nur, wenn detaillierte Ergebnisse für einzelne Regionen vorhanden sind: Mit den abgegebenen Stimmen für die Parteien und der Anzahl der Wahlberechtigten jedes Wahlsprengels werden Diagramme erstellt. Optisch gleichen die Auswertungen aus europäischen Ländern oder den USA nur diffusen Wolken, die in der Mitte zweier Achsen angesiedelt sind.

Bei starken Abweichungen im Wahlverhalten zeigt sich im rechten oberen Feld des Diagramms eine deutliche Verdichtung. Diese entsteht, wenn bei einer überdurchschnittlich hohen Wahlbeteiligung einheitlich für eine Partei abgestimmt wird - ein Hinweis, dass etwas nicht stimmen kann.

Kiste mit Wahlzetteln ausgetauscht

Die Forscher unterscheiden zwei Formen des Wahlbetrugs: Beim sogenannten "Ballot Stuffing" gibt es mehr abgegebene Stimmen als Wahlberechtigte, die alle für dieselbe Partei stimmen. Beim "Extreme Fraud" wird dagegen am Ende des Wahltags die gesamte Kiste mit vorgefertigten Stimmzetteln ausgetauscht. "Wenn wir Abweichungen entdecken, heißt es natürlich nicht, dass es zu 100 Prozent einen Betrug gab, aber ab einer gewissen Größe ist es schon sehr außergewöhnlich", so Thurner.

Bei der Parlamentswahl in Russland 2011 zeigt ihre Auswertung beispielsweise deutliche Abweichungen von vergleichbaren Urnengängen. "Ohne Manipulationen wäre Wladimir Putins Partei Geeintes Russland auf nur knapp 40 Prozent statt der offiziellen 50 Prozent gekommen", sagt Thurner.

"Ein Kollege ist eines Abends mit den gesamten Wahlergebnissen der russischen Parlamentswahlen auf einem Datenstick zu mir gekommen, und wir haben mit zwanzig verschiedenen Ansichten versucht, mögliche Unregelmäßigkeiten darzustellen", berichtet Thurner.

Auch bei den russischen Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr wie bei den Wahlen in Uganda 2011 vermuten die Forscher Manipulation. "Es gibt hier wahnsinnige Verzerrungen, die sofort darauf hinweisen, dass die Daten sehr verdächtig sind", sagte Thurner.

Die Wissenschaftler bieten ihr System auch online an, damit jeder Interessierte Wahlergebnisse auswerten und öffentlich machen kann. Aus den USA gab es bereits 20 Anfragen zur Analyse von Vorwahlen der Präsidentschaftswahl.

boj/dpa