Statue aus Meteoritengestein Beim Barte des Nazi-Buddhas

Der Fund machte Schlagzeilen: Forscher hatten eine Statue entdeckt, tausend Jahre alt angeblich, aus Meteoritengestein, eine Swastika auf der Brust. Doch Experten haben Zweifel an der Geschichte des mysteriösen Fundstücks - es ist wohl eine moderne Auftragsarbeit für den Antiquitätenhandel.
Statue aus Meteoritengestein: Wann entstand die Figur, wie kam sie nach Deutschland?

Statue aus Meteoritengestein: Wann entstand die Figur, wie kam sie nach Deutschland?

Foto: AFP/ Uni. Stuttgart/ Elmar Buchner

Von einer wohl einzigartigen Statue haben Forscher um Elmar Buchner im Fachmagazin "Meteorics and Planetary Science" berichtet : Die rund 24 Zentimeter große menschliche Figur, auf deren Brust eine Swastika prangt, besteht aus Gestein, das vom sogenannten Chinga-Meteoriten stammt. Das haben die Forscher durch die Analyse des Materials ermittelt. Es ist ihren Angaben zufolge die einzige Darstellung eines Menschen aus Meteoritengestein. Indem sie die genaue Zusammensetzung des stark eisenhaltigen Materials ermittelten, konnten sie es diesem Meteoriten klar zuordnen.

Wie die Figur aus kunsthistorischer Sicht einzuordnen ist, darüber war sich die Arbeitsgruppe aus Geologen und Planetenforschern nicht ganz sicher - auch wenn die Beteiligten Meinungen mehrerer Experten einholten. Eine in ihrem Fachartikel geäußerte Vermutung lautet, dass die Statue vor rund tausend Jahren im Grenzgebiet von Sibirien und der Mongolei oder in Tibet entstanden ist und aus der Bön-Kultur stammt.

Klarer ist dagegen die Angabe, wie sie nach Europa gelangte. "Nach unserem Wissen wurde die Statue von einer Tibet-Expedtion der Jahre 1938 - 1939 nach Deutschland gebracht, die von Ernst Schäfer (Ethnologe und Zoologe) geleitet wurde und im Auftrag der nationalsozialistischen Regierung stattfand", ist im Bericht zu lesen. An dieser Forschungsreise hatten nur SS-Mitglieder teilgenommen. Man könne spekulieren, ob sie die Figur wegen der Swastika auf der Brust mitgenommen hätten, heißt es weiter.

Viele Medien berichteten über die Geschichte, auch SPIEGEL ONLINE.

Vom Eisenmann zum Hosen tragenden Lama

Doch kurz darauf meldete ein Buddhismusforscher ernste Zweifel an. Achim Bayer von der Dongguk University in Seoul schreibt in einem Fachartikel , der beim Hamburger Zentrum für Buddhismuskunde einzusehen ist, dass die Statue aus seiner Sicht nicht in Asien, sondern in Europa hergestellt wurde. Und zwar erst vor relativ kurzer Zeit.

Verschiedene Merkmale der Statue, die er "Hosen tragender Lama" nennt, seien nicht stimmig. Bayer listet unter anderem die untypische Form von Hose und Schuhwerk, den einzelnen Ohrring und auch den Bart des Mannes auf.

Er vermutet, dass die Statue im Zeitraum zwischen 1910 und 1970 entstanden ist - das Meteoritengestein könnte dann in unbearbeiteter Form nach Deutschland gekommen sein. Entweder wurde die Figur für den allgemeinen Antiquitätenhandel oder aber speziell für den Bereich der Nazi-Memorabilien gefertigt, schreibt er. In beiden Fällen könne der Zusammenhang mit der Expedition von Ernst Schäfer bewusst hergestellt worden sein, um die Statue mysteriöser und interessanter zu machen.

Über erworbene Gegenstände wurde penibel Buch geführt

Historikerin Isrun Engelhardt, die sich intensiv mit der Schäfer-Expedition beschäftigt hat, ist sich sicher, dass die Statue nicht mit dem Forschungsreisenden nach Deutschland gelangt ist. "Es gibt eine sehr genau geführte Liste mit Datum, Ort und Wert der gekauften Objekte", erklärt sie. Dort fänden sich einige Statuen, aber keine passe zu der von Buchner beschriebenen. Ursprünglich umfasste die ethnologische Sammlung mehr als 2000 Objekte, so Engelhardt. Kosten: 12.119 Reichsmark und 80 Pfennige - so genau ist alles vermerkt. Viele Gegenstände gingen zum Ende des Kriegs verloren. Was noch von der ursprünglichen Sammlung übrig ist, wird im Münchner Völkerkundemuseum aufbewahrt. Auch aus Schäfers privatem Umfeld stamme die Figur nicht, sagt die Forscherin, die heute im Ruhestand ist.

Elmar Buchner sagt, der Vorbesitzer der Statue habe erklärt, dass die Figur mit der Schäfer-Expedition nach Deutschland gelangt sei. "Wir hatten keinen Grund, das anzuzweifeln."

Engelhardt vermutet die "faule Stelle" bei eben jenem Vorbesitzer. Sie könne zwar selbst nicht beurteilen, ob die Statue authentisch ist oder nicht, aber zumindest der Hinweis auf die Schäfer-Expedition stimme so nicht.

Zusammen mit seinen Kollegen habe er mehr als zehn Fachleute zur kunsthistorischen Einordnung der Figur befragt, erklärt Buchner - und dieser Teil ihres Artikels sei bewusst spekulativ gehalten. "Uns ging es um die geochemische Einordnung", sagt er.

So würde er es am besten finden, wenn die Figur künftig in einer Meteoriten-Abteilung eines Naturkundemuseums ausgestellt wird. "Da ist der kunsthistorische Zusammenhang nicht so wichtig."

Wenn sie aber nicht von Ernst Schäfer nach Deutschland gebracht wurde und eventuell auch keine Jahrhunderte, sondern bloß Jahrzehnte alt sein sollte, hätte die Statue allerdings einen Großteil ihrer Faszination eingebüßt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde im Vorspann der Begriff "Hakenkreuz" statt "Swastika" verwendet. Dies ist zwar korrekt, hat jedoch im Zusammenhang mit der Überschrift zu Irritationen geführt. Daher haben wir die Formulierung geändert.

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