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Steinzeit: Gewaltiges Feuer sollte Totenhaus zerstören

Foto: University of Manchester

England Steinzeitmenschen brannten Totenhaus nieder

Spuren eines spektakulären Events: Auf dem englischen Dorstone Hill fanden Archäologen die Reste einer großen Holzhalle. Sie diente Steinzeitbauern als Totenhaus - und wurde am Ende in einem mehrtägigen Showdown niedergebrannt.

Es muss ein gewaltiges Feuer gewesen sein, das vor rund 6000 Jahren auf dem Dorstone Hill loderte. "Wenn eine Holzhalle Feuer fängt, brennt zuerst das Reetdach ab", erklärt Julian Thomas von der University of Manchester. Danach fangen zunächst die dünneren Balken Feuer. Die dicken, tragenden Balken aber geraten normalerweise nicht in Brand, sagt Julian Thomas: "Sie kohlen nur vor sich hin - das konnte mit Hilfe von experimenteller Archäologie nachgewiesen werden."

Deshalb waren die Forscher umso erstaunter, als sie auf dem Dorstone Hill nahe der Ortschaft Peterchurch in der englischen Grafschaft Herefordshire die Überreste einer abgebrannten Holzhalle genauer untersuchten. Denn auch die dicken Balken waren bis auf den Boden niedergebrannt. "Um eine Holzhalle so zu zerstören, ist ein gehöriger Aufwand nötig", weiß Thomas. "Das Feuer muss tagelang brennen und ständig mit neu herbeigeschafftem Brennmaterial am Leben erhalten werden. Jemandem muss sehr viel daran gelegen haben, diese Halle gründlich niederzubrennen."

Viele kleine Kammern im Inneren

Als sie komplett in Schutt und Asche lag, errichtete man einen Grabhügel über der Ruine, stolze 70 Meter lang und 30 Meter breit. Es ist der erste Fund dieser Art in Großbritannien. Zwar sind längliche Grabhügel ähnlichen Ausmaßes bekannt, jedoch nicht mit einer niedergebrannten Halle im Inneren.

Von dem Gebäude aber sind ungewöhnlich viele Details erhalten. Das verbrannte Holz der Balken, Pfostenlöcher, wo einst die tragenden Balken standen, und sogar die Reste kleinerer Stangen. Dazwischen lag eine dicke Schicht hart gebrannten Lehms - die Überreste der Wände. Aus den Spuren konnte Thomas den Aufbau der Halle rekonstruieren: Ihr Inneres war kein freier Raum, sondern in viele kleine Kammern unterteilt, die sich von langen Gängen abzweigten.

In der Erde lagen keine Knochen, doch die können entweder im Feuer oder in den dazwischenliegenden Jahrtausenden auch spurlos vergangen sein. Wahrscheinlich brachten die frühen jungsteinzeitlichen Bauern irgendwann in der Zeit zwischen 4000 und 3600 vor Christus ihre Toten hierher. Wieviele Familien oder Gemeinschaften die Halle nutzten, ist nur schwer zu schätzen. "Wahrscheinlich diente sie etwa eine Generation lang als Totenhaus", mutmaßt Thomas.

Verbrennung als machtvolle Symbolik

Dann ließen sie die Halle in Flammen aufgehen. Doch warum verbrannten sie das Gebäude? "So ein Akt der kompletten Zerstörung ist die symbolische Umkehrung des Aufbaus", glaubt Thomas. Was zuvor konstruiert wurde, wird nun dekonstruiert - was gegeben wurde, wird genommen.

Mehr noch: "Das Feuer war eine bewusste Aktion: Sie schufen damit einen besonderen Event", sagt Thomas. Die Flammen loderten hoch in den Himmel, das Feuer muss viele Kilometer weit zu sehen gewesen sein. "Mit dieser machtvollen Symbolik schufen sie Eindrücke, an die sich die Anwesenden noch lange erinnern würden."

Die Funde geben dem Archäologen recht. Tausend Jahre später, in der späten Jungsteinzeit, diente Dorstone Hill noch immer als heiliger Platz. Die Ausgräber fanden weitere Begräbnisse und eine Grube mit zwei Steinwerkzeugen. Die Axt und das feine Messer aus Flint scheinen allerdings nicht aus der Region zu kommen, sondern aus dem über 300 Kilometer entfernten östlichen Yorkshire - im Neolithikum eine enorme Strecke.

"Der Fund meines Lebens"

Wie gelangten Axt und Messer nach Herefordshire? Möglich wäre, dass sie als Handelswaren von Hand zu Hand gingen. Doch die Ausgräber vermuten eher, dass sie ganz bewusst von Yorkshire auf den Dorstone Hill gebracht wurden, "als Teil einer Zeremonie oder einer Pilgerreise zu den Vorfahren". Vor über 5000 Jahren, vermuten sie, bestanden zwischen den beiden Regionen enge Familienbande.

Unmittelbar neben der verbrannten Halle entdeckten die Ausgräber einen weiteren Grabhügel. Er war wesentlich kleiner als sein Nachbar, doch auch in seinem Inneren lag eine sieben mal 2,5 Meter große hölzerne Grabkammer. "Dorstone Hill zeigt eine direkte Verbindung zwischen Haus und Grab auf, die stärker ist als bei allen bisherigen Grabungen", meint Thomas. Den Toten wurden Häuser gebaut, die denen der Lebenden gleichen sollten. "Frühneolithische Hallen sind an sich schon rar, aber eine davon unter einem Grabhügel entdeckt zu haben, ist der Fund meines Lebens."

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