Stellungnahme Regierungschefs für Veröffentlichung der Genom-"Karte"

US-Präsident Bill Clinton und der britische Premier Tony Blair haben für erhebliche Aufregung in der Biotech-Szene gesorgt. Sie sprachen sich dafür aus, Daten über das menschliche Erbmaterial ohne große Restriktionen offen zu legen.


US-Präsident Bill Clinton und Englands Premierminister Tony Blair
REUTERS

US-Präsident Bill Clinton und Englands Premierminister Tony Blair

London/Washington - "Um das volle Potenzial der Genforschung auszuschöpfen, müssten die Basisdaten des menschlichen Genoms einschließlich der DNS-Sequenz und ihrer Varianten frei verfügbar sein", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der beiden Regierungschefs. Clinton und Blair begrüßten die Entscheidung der Wissenschaftler des Human Genome Projects (HGP), ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit schnell zur Verfügung zu stellen. Sie empfahlen in ihrer Stellungnahme Wissenschaftlern weltweit, diese Informationspolitik zu übernehmen.

Auch wenn Blair und Clinton in der Presseerklärung für mehr Transparenz in der Forschung plädieren, betonen sie, dass auf den Daten basierende Erfindungen weiterhin unter das Patentrecht fallen würden. Der Schutz der Ergebnisse der Gen-Forschung als geistiges Eigentum werde künftig eine große Rolle spielen, um die Entwicklung neuer medizinischer Produkte anzustoßen. Das Ziel des 1990 begonnenen Human Genome Projects ist die Identifizierung der mehr als 100.000 menschlichen Gene. An dem Projekt sind 16 Institutionen aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Japan, China und den USA beteiligt.

Nach Angaben von Blairs Pressesprecher wollen die beiden Staatsoberhäupter mit der gemeinsamen Stellungnahme auf die Bedeutung der Genomforschung hinweisen.

Die Erklärung von Clinton und Blair erfolgt eine Woche nach erhitzten Auseinandersetzungen zwischen Forschern des staatlich finanzierten HGP und der Firma Celera, dem wichtigsten privaten Konkurrenten. Celera hat es sich zum Ziel gesetzt, als erstes Unternehmen das menschliche Genom zu entschlüsseln. Gespräche über eine Kooperation zwischen Celera und dem Human Genome Project scheiterten nach Angaben des HGP an einem kommerziellen Monopolstreben der Firma. Celera-Chef Craig Venter erklärte dagegen, seine Firma sei weiterhin an einer Zusammenarbeit interessiert, müsse jedoch ihre Interessen bewahren.

Das Human Genom Projekt hat für dieses Frühjahr die Veröffentlichung eines ersten Rohentwurfs ihrer Ergebnisse angekündigt, Celera für Ende des Jahres. In beiden Fällen rechnet man jedoch erst 2003 mit der vollständigen Decodierung des menschlichen Erbguts.



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