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Stephen Hawking: Physik-Star und Nerd-Liebling

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Stephen Hawking wird 70 Popstar der Physik

Die Ärzte sagten ihm, er habe nur noch wenige Jahre zu leben. Da war Stephen Hawking 21 und unbekannt. Jetzt wird er 70 und ist der berühmteste Wissenschaftler der Welt. Fachwelt und Popkultur feiern den Mann im Rollstuhl, der die Astrophysik revolutionierte.

"Nicht schon wieder diese Apfel-Geschichte", knarzt es aus dem Sprachsynthesizer. Stephen Hawking ist genervt von Isaac Newton, der damit prahlt, die Physik erfunden zu haben. Sie hocken am Poker-Tisch, zusammen mit Albert Einstein und dem Androiden Data vom Raumschiff Enterprise. Sie zicken sich an und zocken und erzählen sich Witze über die "Sonnennähe des Merkur".

Es sind Szenen wie diese, weshalb ihn Nerds lieben, den genialen Wissenschaftler im Rollstuhl, einst Inhaber des Lucasischen Lehrstuhls für Mathematik an der Universität Cambridge. Einen Mann, der einerseits seit Jahrzehnten nach der Weltformel sucht, einen Weg, Allgemeine Relativitätstheorie und Quantenmechanik miteinander zu versöhnen, der sich andererseits nicht zu schade ist, bei "Star Trek" sich selbst zu spielen  - oder genauer: ein Hologramm von sich.

Zu seinem 70. Geburtstag an diesem Sonntag verneigen sich beide Welten vor ihm, Wissenschaft und Popkultur. Seine Uni nennt ihn den brillantesten theoretischen Physiker seit Einstein und veranstaltet eine Konferenz, zu dem Forschungsstars und Nobelpreisträger geladen sind. Das Magazin "Wired"  widmet ihm den Online-Aufmacher und hat die besten Zitate zusammengestellt. Da fragt Hawking dann: Warum begegnen Ufos immer nur Durchgeknallten?

An den Rollstuhl gefesselt seit 1968

Er war gerade 21 Jahre alt, als die Ärzte ihm sagten, er leide an einer Nervenkrankheit, einer unheilbaren, langsam fortschreitenden Lähmung der Bewegungsmuskulatur: Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Sie gaben ihm nur noch wenige Jahre - ein Wendepunkt in seinem Leben. "Plötzlich begriff ich, dass es eine Reihe wertvoller Dinge gab, die ich tun könnte, wenn mir ein Aufschub gewährt würde", sagte er einmal. Der langsame Krankheitsverlauf deutet auf eine untypische ALS-Variante hin.

Hawking ließ sich nicht unterkriegen, stieg im Alter von nur 32 Jahren zum jüngsten Mitglied der renommierten britischen Royal Society auf, begeisterte mit seinen Arbeiten nicht nur die Fachwelt, sondern schrieb auch populärwissenschaftliche Bücher, die millionenfach verkauft wurden, etwa "Eine kurze Geschichte der Zeit" und "Das Universum in der Nussschale".

Anfangs konnte seine erste Frau ihn noch versorgen, doch seit einem Vierteljahrhundert ist er auf ein Team von Pflegerinnen angewiesen, rund um die Uhr. Seit 1968 ist er an den Rollstuhl gefesselt, seit einer Lungenentzündung und einer Luftröhrenoperation kann er nur noch mit Hilfe des Sprachsynthesizers sprechen. Einem mittlerweile ziemlich veralteten Gerät, wie er einmal gesagt hat, aber er werde nunmal mit der knarzigen Computerstimme identifiziert. Und ein Gerät mit einer hübscheren Stimme habe er auch noch nicht gefunden.

Anfangs konnte er das Sprechgerät noch mit einer Taste bedienen, jetzt gehorcht ein Infrarotsensor, wenn Hawking die Augen bewegt. Das ist zwar mühsam und zeitraubend, aber so kann er noch immer Vorlesungen halten. Und so sind Gastauftritte in Fernsehserien möglich, bei den "Simpsons" etwa und bei "Futurama".

Berührungsängste hatte der Mann, der für seine wissenschaftliche Arbeit vielfach ausgezeichnet wurde, mit der Popkultur nie. Laut "Wired" hat er mal gesagt, die "Simpsons" seien das Beste, was es im amerikanischen Fernsehen gebe. Er habe das Angebot für einen Gastauftritt sofort angenommen.

Und um die Rolle in der "Star Trek"-Folge an der Seite von Einstein, Newton und Data soll er als Fan der Serie selbst gebeten haben. Denn alles, was mit Raumfahrt zu tun hat, begeistert ihn. So sehr, dass er, der sich nicht bewegen kann, an einem Parabelflug teilnahm. Da war er 65.

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