Sterilisierung Forscher wollen Malaria-Mücken verstrahlen

Mit radioaktiver Strahlung wollen Wissenschaftler die verheerende Malaria-Krankheit in Afrika besiegen. Der Überträger, die Anopheles-Mücke, wird dabei sterilisiert und somit an der Fortpflanzung gehindert.


Malaria-Mücke: "Es ist eine sehr saubere Technik"
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Malaria-Mücke: "Es ist eine sehr saubere Technik"

Malaria gehört nach wie vor zu den schlimmsten Krankheiten der Welt. Vor allem in Afrika wütet die Seuche, die durch Stiche der Anopheles-Mücke übertragen wird. Weltweit erkranken jährlich 300 bis 500 Millionen Menschen, bis zu zwei Millionen sterben pro Jahr. Der Großteil davon sind Kinder unter fünf Jahren, die südlich der Sahara leben. Erschwerend kommt hinzu, dass der Erreger, der einzellige Parasit Plasmodium, zunehmend gegen konventionelle, günstige Medikamente wie Chloroquine resistent ist.

Schon seit den fünfziger Jahren experimentieren Forscher an einer anderen Methode, um Mückenplagen in den Griff zu bekommen. Durch radioaktive Bestrahlung sterilisieren sie die männlichen Insekten und verhindern so die Fortpflanzung. Sterile Insect Technique (SIT) heißt die Methode, die Experten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA nun auch gegen die Malaria anwenden wollen.

Die Forscher müssen dazu zunächst Millionen männlicher Anopheles-Mücken im Labor züchten. Anschließend werden die Männchen radioaktiv bestrahlt, etwa mit Kobalt-60. Infolge der Bestrahlung sind die Männchen steril, können also keinen Nachwuchs mehr zeugen. Die Männchen werden dann freigelassen und paaren sich mit den Anopheles-Weibchen. Aus den Eiern schlüpfen jedoch keine Mücken.

Alan Robinson, der als Insektenkundler im Auftrag der Atomenergiebehörde arbeitet, bezeichnete das Vier-Millionen-Dollar-Vorhaben als "hochriskantes Projekt". Viele Hürden müssten noch genommen werden, bevor Feldversuche beginnen könnten. In den nächsten fünf Jahren müssten Wege gefunden werden, um eine Million steriler Mücken an einem Tag herstellen zu können.

Die sterilen Männchen aus dem Labor müssen robust genug sein, um im Wettstreit mit fortpflanzungsfähigen männlichen Mücken aus freier Natur zu bestehen. Sie sollen mit Flugzeugen ausgesetzt werden. Die Hochzeitsphase der Mücken ist äußerst kurz. Die Weibchen leben insgesamt nur zwei Wochen und paaren sich nur ein einziges Mal.

Robinson und sein niederländischer Kollege Bart Knols hatten bereits in den siebziger Jahren in El Salvador Mücken erfolgreich mit SIT bekämpft. Auch auf der ostafrikanischen Insel Sansibar leistete die Bestrahlung männlicher Insekten gute Dienste. Die Tsetsefliege, Überträger der tückischen Schlafkrankheit, wurde ausgerottet.

Die Forscher halten die Insektensterilisierung für äußerst umweltfreundlich, weil dabei gezielt nur eine bestimmte Art bekämpft wird. "Es gibt keine Alternative zu SIT", betonte Robinson. "Es ist eine sehr saubere Technik." Ängste vor Verstrahlung seien unbegründet. "Die Insekten sind nicht radioaktiv, wenn sie freigelassen werden." Um die Malaria-Krankheit auszurotten, müsse SIT freilich mit anderen Maßnahmen kombiniert werden, betonen die Wissenschaftler.



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