Stichlinge Fischdamen erschnüffeln optimalen Partner

Weibliche Stichlinge haben eine Nase für Männchen mit guten Genen. Wie deutsche Forscher entdeckt haben, bevorzugen die Fischdamen Partner mit besonders vielfältigen Erbanlagen.


Vielfältige Gene machen attraktiv: Männlicher Stichling im Balzkleid
Dirk Semman

Vielfältige Gene machen attraktiv: Männlicher Stichling im Balzkleid

Starker Fischgeruch kann offenbar auch anziehend wirken - zumindest auf Stichlinge. Weibliche Tiere ziehen den Duft von Partnern vor, die eine günstige Genkombination besitzen, hat ein Forscherteam um Thorsten Reusch vom Max-Planck-Institut für Limnologie im schleswig-holsteinischen Plön herausgefunden.

Reusch und seine Kollegen hatten das Paarungsverhalten von in Seen gefangenen dreistachligen Stichlingen (Gasterosteus aculeatus) untersucht. Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature" berichten, haben dabei solche Fischmännchen die besten Chancen, die eine besonders variationsreiche genetische Basis des Abwehrsystems aufweisen können. Auf diese Weise erhalten die weiblichen Stichlinge offenbar die genetische Vielfalt der Population und verbessern die Überlebenschancen ihres Nachwuchses.

Schon bei Mäusen und Menschen wurde in früheren Studien festgestellt, dass vorteilhafte Erbanlagen regelrecht erschnüffelt werden. So bevorzugten Frauen den Geruch solcher Männer, deren so genannte MHC-Gene sich möglichst weitgehend von den eigenen unterscheiden. Die Gene des MH-Komplexes ("Major Histocompatibility Complex") spielen im Immunsystem eine wichtige Rolle bei der Erkennung fremder Eiweiße. Eine Kombination verschiedener MHC-Gene verbessert die körpereigene Abwehr.

Im Gegensatz zu der bei Menschen beobachteten Paarungsstrategie legen Stichlingsweibchen jedoch keinen besonderen Wert auf größtmögliche Unterschiede zwischen den eigenen und den fremden MHC-Genen. Auf diese Methode, die hauptsächlich der Vermeidung von Inzucht dient, sind die Fische auch nicht angewiesen: "Stichlinge vermischen sich in Bächen und Teichen sehr schnell, und die Wahrscheinlichkeit von Inzucht ist sowieso nur sehr gering", erklärt Reusch.

Stattdessen bevorzugen die Stichlingsdamen Partner, die im MH-Komplex eine möglichst große Zahl verschiedener Genvarianten aufweisen. Diese Vorliebe könnte dazu beitragen, die Fitness der Nachkommen gegen Krankheiten und Parasiten zu erhöhen, spekulieren die Forscher.



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