Stickoxid-Smog Bundesregierung gibt Autoherstellern die Schuld

In vielen deutschen Städten werden die gesetzlichen Grenzwerte für Stickoxide überschritten. Die Bundesregierung macht dafür die Autohersteller verantwortlich: Würden ihre Dieselautos die Grenzwerte tatsächlich einhalten, wäre die Luft viel besser.
Autoauspuff: "Emissionen der Dieselautos deutlich höher als erwartet"

Autoauspuff: "Emissionen der Dieselautos deutlich höher als erwartet"

Foto: Michael Probst/ ASSOCIATED PRESS

Seit dem 1. Januar 2010 gilt für Städte in Deutschland ein strenger Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2). In einem Kubikmeter Luft dürfen im Mittel nicht mehr als 40 Mikrogramm NO2 sein. Ansonsten drohen unter anderem Reizungen der Atemwege und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Doch die Realität sieht anders aus. Im Jahr 2013 beispielsweise wurde das NO2-Limit an 29 Messstationen bundesweit nicht eingehalten - unter anderem in Stuttgart, München und Köln. Die Bundesregierung führt die Grenzwertüberschreitungen in Ballungsgebieten "wesentlich" auf Diesel-Pkw zurück, die im realen Betrieb auf der Straße deutlich mehr Stickoxide ausstoßen als auf dem Prüfstand. Dies teilte sie auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Bärbel Höhn (Die Grünen) mit.

Die Emissionen der Dieselautos lägen "deutlich höher, als mit der kontinuierlichen Fortschreibung der Abgasgrenzwerte auf Ebene der EU erwartet worden war". Zudem habe die Zahl der Diesel-Pkw in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. "Daher konnten die ergriffenen Maßnahmen bisher nicht sicherstellen, dass NO2-Grenzwerte flächendeckend eingehalten werden", heißt es in der vom Bundesumweltministerium verfassten Antwort.

"Von den erhöhten Stickoxid-Werten dürften mehrere Millionen Menschen hier im Land betroffen sein", sagte Bärbel Höhn, Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag. Besonders die Anwohner an großen innerstädtischen Straßen und Asthmatiker zahlten die Zeche dafür, dass die Bundesregierung jahrelang bei den Betrügereien der Autohersteller weggeschaut habe.

Womöglich müssen wegen des VW-Abgasskandals auch Modellrechnungen für die künftige Schadstoffentwicklung in Deutschland überarbeitet werden. Das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) hatte beispielsweise prognostiziert, dass durch die Einführung schadstoffarmer Fahrzeuge wie etwa laut Euro-6-Norm der Stickoxidausstoß des Straßenverkehrs im Jahr 2030 um 68 Prozent niedriger sein könnte  als 2011.

Stickstoffdioxid, das zu den Stickoxiden zählt, entsteht bei Verbrennungsprozessen. Wichtigste Emittenten in deutschen Gemeinden sind Autos mit Dieselmotor. Die höchsten Konzentrationen wurden im Jahr 2013 in Stuttgart (Am Neckartor) und München (Landshuter Allee) gemessen - unter den Top 15 sind auch Messstationen in Berlin (Hardenbergplatz), Hamburg (Max-Brauer-Allee) und Köln (Clevischer Ring). Überall dort waren die NO2-Werte deutlich oberhalb des gesetzlichen Limits von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.