Stickstoffdioxid-Belastung Grenzwerte in 65 Städten überschritten

München, Stuttgart und Köln führen die Negativ-Rangliste an. Hier war die Stickstoffdioxid-Belastung im Jahr 2017 am höchsten. Aber auch in 62 weiteren Städte wurden Grenzwerte überschritten, so das Umweltbundesamt.
Autos im Stau (Archivbild)

Autos im Stau (Archivbild)

Foto: Marijan Murat/ picture alliance / Marijan Murat

In Deutschland sind im vergangenen Jahr in 65 Städten Schadstoff-Grenzwerte überschritten worden. Die Stadt mit den höchsten Belastungen vor allem durch Diesel-Abgase ist nach wie vor München, es folgen Stuttgart und Köln. Das gab das Umweltbundesamt am Donnerstag nach der finalen Auswertung der Messdaten bekannt.

Eine vorläufige Auswertung im Februar hatte bereits ergeben, dass die Grenzwerte in 66 Städten überschritten werden. Noch herausgefallen aus dieser Liste ist die Stadt Remscheid - dort werden die Grenzwerte mittlerweile eingehalten.

Stickstoffdioxid gilt als mitverantwortlich für schwere Gesundheitsschäden, wie etwa Herzkreislauferkrankungen, Diabetes mellitus oder Asthma. Das Umweltbundesamt erklärte, bereits geringe Konzentrationen könnten schädliche Folgen haben, wenn Menschen den Belastungen über lange Zeit ausgesetzt sind. Selbst kurzfristige Belastungen gelten als schädlich.

Foto: Umwelt Bundesamt

Probleme in 65 Städten - man kann dieses Ergebnis daher kritisch sehen: Immerhin sind Grenzwertüberschreitungen oft eher die Regel als die Ausnahme. Andererseits ist die Zahl betroffener Städte innerhalb eines Jahres massiv gefallen, 2016 waren noch rund 90 betroffen. Dresden, Koblenz, Leipzig, Bremen, Fulda, Kassel, Norderstedt, Würzburg, Marburg und Potsdam stehen aktuell nicht mehr auf der Liste der Grenzwertüberschreitungen.

In Hamburg traten am Donnerstag die ersten Fahrverbote für ältere Dieselautos bundesweit in Kraft. Betroffen sind zwei stark befahrene Straßenabschnitte in der Innenstadt. Hamburg will damit erreichen, dass die Stickoxidbelastung in der Luft sinkt. Kritiker sprechen allerdings von einem Schildbürgerstreich, weil die Gesamtmenge der Emissionen nicht sinke, diese nur gleichmäßiger im Stadtgebiet verteilt würden.

Der Grenzwert bei der Belastung durch gesundheitsschädliche Stickstoffdioxide (NO2) liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In München wurden 2017 im Jahresmittel 78 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter, in Stuttgart 73 und in Köln 62 Mikrogramm gemessen. Es folgen Reutlingen mit 60 Mikrogramm sowie Düren, Hamburg und Limburg mit jeweils 58 Mikrogramm NO2.

Der EU-Kommission reichen die bisherigen Anstrengungen für saubere Luft in Deutschland nicht aus. Sie hat Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Der Bundesregierungen drohen bei einer Verurteilung empfindliche Strafzahlungen.

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chs/dpa
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