These britischer Archäologen Stonehenge stand ursprünglich ganz woanders

Eines der berühmtesten Bauwerke der Welt ist womöglich nur ein Secondhand-Monument. Forscher haben Hinweise darauf gefunden, dass Stonehenge schon vor langer Zeit 200 Kilometer versetzt wurde.
Stonehenge wurde über die Zeiten immer wieder umgebaut

Stonehenge wurde über die Zeiten immer wieder umgebaut

Foto: CARL DE SOUZA / AFP

Wenn die Menschen der Steinzeit eines reichlich hatten, dann waren es, nun ja, Steine. Und doch entschieden sich die Konstrukteure des riesigen Stonehenge-Monuments in der heutigen Grafschaft Wiltshire im Süden Englands vor rund 5000 Jahren, ihr schweres Baumaterial teils mehr als 200 Kilometer aus Wales heranzuwuchten. Gemeint sind die zwei bis drei Meter hohen sogenannten Blausteine.

Dass die Klötze über weite Strecken transportiert wurden, ist im Grundsatz bereits bekannt. Britische Forscher um Mike Parker Pearson vom University College London präsentieren im Fachmagazin »Antiquity«  nun allerdings Belege für eine aufsehenerregende Theorie: Demnach stand das Monument bereits für Hunderte Jahre in Wales, bevor es an seinen jetzigen Standort umgesetzt wurde.

Eine entsprechende Sage gibt es seit langer Zeit in der Region – doch nun haben die Wissenschaftler auch Belege dafür gefunden. Konkret geht es um die Spuren eines 110 Meter messenden Steinkreises in Wales. Diese Anlage namens Waun Mawn sei, wie Stonehenge, auf den Jahreslauf der Sonne ausgerichtet gewesen. Die Anordnung der Löcher für die Steine gleiche denen in Stonehenge. Selbst eine ganz besondere Form eines bestimmten Blausteins passe »wie Schlüssel und Schloss«.

Vor Ort befinden sich nur noch vier Steine, drei davon liegend. Der Rest wurde in Stonehenge recycelt. Das Team geht davon aus, dass die Menschen von Waun Mawn mit ihrer gesamten Gemeinschaft komplett nach England umgezogen sind. Darauf deuten auch Isotopen-Untersuchungen  menschlicher und tierischer Knochen vom Fundort Stonehenge, die auf ein Leben in Wales in früheren Zeiten hinweisen. Beim Umzug hätten die Steinzeitmenschen womöglich eine Verbindung zu ihrer Vergangenheit mitnehmen wollen – die massiven Steine ihres Heiligtums.

»Bezweifle, dass Archäologen in den nächsten Jahrhunderten noch darauf gestoßen wären«

»Ich erforsche Stonehenge nun schon seit 20 Jahren und das ist wirklich das Aufregendste, was wir je gefunden haben«, sagte Parker Pearson dem »Guardian«  zum Fund des Steinkreises. Man habe Glück gehabt, dass vom ursprünglichen Kreis noch vier Steine übrig gewesen seien. »Hätte man sie nach Wiltshire gebracht, hätten wir die Steinlöcher des Kreises nie gefunden, und ich bezweifle, dass Archäologen in den nächsten Jahrhunderten noch darauf gestoßen wären.«

Die neu entdeckten Spuren des riesigen Steinkreises liegen in Wales nur wenige Kilometer vom sogenannten Preseli-Steinbruch entfernt, wo die Blausteine aus dem Gestein gebrochen wurden. Bereits bekannt war, dass die Steine dort rund 400 Jahre vor der Errichtung von Stonehenge gewonnen worden waren. Bei der Datierung hatten übrigens die Überreste von Haselnussschalen geholfen, die den Mitarbeitern des Steinbruchs als Snack gedient hatten.

Alison Sheridan, emeritierte Kuratorin am National Museum of Scotland und nicht an der aktuellen Forschungsarbeit beteiligt, lobt  die neue Theorie. Das Team liefere »sehr gute Argumente«. Die Gruppe habe »mit sehr kniffligen Daten hantiert, aber sie haben eine brillante Hypothese aufgestellt«.

chs