Streit um Rohstoffe Russland gibt sich als Führer der Arktis

Der Klimawandel wühlt den Kreml auf: Weil die natürlichen Eisbarrieren schmelzen, verstärkt Russland seine Grenztruppen in der Polarregion. Bei der internationalen Arktis-Konferenz gibt sich das Land als Führer der Region - und untermauert seinen Anspruch auf die riesigen Rohstoffschätze im Meer.

Fahne "hissen" am Meeresboden (Archivbild, 2007): "Hälfte der Arktis gehört Russland"
DPA

Fahne "hissen" am Meeresboden (Archivbild, 2007): "Hälfte der Arktis gehört Russland"


Moskau - Es war ein Akt mit umstrittener Symbolkraft: Seit mehr als vier Jahren steckt am Nordpol auf rund 4200 Metern Tiefe eine weiß-blau-rote Nationalflagge Russlands aus Titan im Meeresboden. Seither nimmt das Tauziehen um die Aufteilung der gewaltigen Bodenschätze in der Arktis kein Ende. Nun verstärkt Russland zudem seine Grenztruppen in der Polarregion.

Als Grund nannte das Außenministerium den Klimawandel. "Früher war unsere Staatsgrenze durch Eis und harsches Klima gesichert", sagte der Sonderbotschafter Anton Wassiljew in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Agentur Interfax. Doch nun schmelze das Eis, und Tausende Kilometer seien unbewacht.

Am Mittwoch startete eine dreitägige Arktis-Konferenz in der nordrussischen Stadt Archangelsk. Dort will das Gastgeberland seinen Anspruch auf ein 1,2 Millionen Quadratkilometer großes Polargebiet inklusive des Nordpols untermauern.

"Russland spricht von sich selbst als Führer in der Arktis", sagte Wassiljew. "Aber das kann auch nicht anders sein - denn die Hälfte der Arktis gehört Russland." In der Region lagern unter anderem riesige Mengen Öl und Gas, die durch die Eisschmelze leichter zugänglich werden. Moskau will beweisen, dass der Meeresboden in der Arktis eine natürliche Verlängerung des russischen Festlandes sei. Dann dürfte Russland nach internationalem Recht dort Rohstoffe abbauen.

Russland müsse auch die Schiffe in der Nordostpassage im Polarmeer schützen können, sagte Wassiljew. Da der Seeweg entlang der Nordküste Europas und Asiens jetzt weitaus häufiger eisfrei sei, nutzten nun auch mehr Schiffe die Strecke. Zugleich lehnte Wassiljew eine Stationierung von Nato-Truppen in der Region scharf ab. "In der Arktis brauchen wir keine Präsenz militärisch-politischer Blöcke."

Zu der Konferenz "Dialograum Arktis" wird auch Regierungschef Wladimir Putin erwartet. Im Mittelpunkt stünden die Sicherheit und der Ausbau von Transportwegen, kündigte Wassiljew an. Eingeladen seien auch Politiker und Wissenschaftler der Mitglieder des Arktischen Rates - USA, Kanada, Dänemark (Grönland), Norwegen, Schweden, Dänemark und Island.

cib/dpa

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vegefranz 21.09.2011
1. mit Vertrauen in die Zukunft .....
können wi Deutschen schauen, weil sich Russland unter Führung der lupenreinen Demokraten um die Energieförderung bemüht. Da sind wir dann nie erpressbar und werden der Energieversorgung durch Atomkraft nicht nachtrauern. Vielen Dank, Fr Merkel
CaptnJo, 21.09.2011
2. Nicht Merkel, sondern schon unter Kohl und Schroeder ...
Zitat von vegefranzkönnen wi Deutschen schauen, weil sich Russland unter Führung der lupenreinen Demokraten um die Energieförderung bemüht. Da sind wir dann nie erpressbar und werden der Energieversorgung durch Atomkraft nicht nachtrauern. Vielen Dank, Fr Merkel
... wurde versaeumt, starke deutsche Energiefirmen zu etablieren. Der Slogan war damals: "Deutschland wird ein Service-Land!" Die damals starke Preussag und BEB wurden verscherbelt. Energietechnisch haengen wir seitdem voll am Tropf von Russland (Gazprom, Rosneft), England (BP, Shell - ja, Shell ist zur Haelfte britisch) und Frankreich (Total).
angara 21.09.2011
3. Russland ist groß und liegt am Nordpolarmeer.
Zitat von sysopDer Klimawandel wühlt den Kreml auf: Weil die natürlichen Eisbarrieren schmelzen,*verstärkt Russland seine Grenztruppen in der Polarregion.*Bei der internationalen Arktis-Konferenz gibt sich das Land als Führer der Region - und untermauert seinen Anspruch auf die riesigen Rohstoffschätze im Meer. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,787642,00.html
Wo ist das Problem? Russland ist nun mal groß und liegt im Norden der Nordhalbkugel direkt am Nordpolarmeer. Die USA haben auf der ganzen Welt ihre Bomben stationiert und setzen die für Demokratie auch ein. Warum sind das nur immer Staaten mit großen Erdöl- oder anderen Rohstoffvorkommen? Die Russen sichern sich nun ihre Rohstoffvorkommen - und müssen nicht mal Bomben abwerfen.
joe sixpack 21.09.2011
4. Die Russen sichern sich nun ihre Rohstoffvorkommen
Zitat von angaraWo ist das Problem? Russland ist nun mal groß und liegt im Norden der Nordhalbkugel direkt am Nordpolarmeer. Die USA haben auf der ganzen Welt ihre Bomben stationiert und setzen die für Demokratie auch ein. Warum sind das nur immer Staaten mit großen Erdöl- oder anderen Rohstoffvorkommen? Die Russen sichern sich nun ihre Rohstoffvorkommen - und müssen nicht mal Bomben abwerfen.
Seit wann gehoert die gesamte Polarregion zu Russland? Das ist mir zumindest neu..
czarpeter 22.09.2011
5. Internationales Recht
Zitat von joe sixpackSeit wann gehoert die gesamte Polarregion zu Russland? Das ist mir zumindest neu..
Ja Sie wissen das nicht, weil Sie das internationale Recht nicht kennen. Sollte Russland nachweisen koennen, dass die Arktis geologisch zum Russischen Festlandsockel gehoert, dann ist die Arktis incl. der entsprechenden 200 Meilenzone , bzw der Teil der Arktis den es betrifft, nach internationalem Recht Russisches Hoheitsgebiet. Und es spricht einiges dafuer, das dem so ist. Und dieses Recht haben sich nicht die Russen ausgedacht.
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