Stromausfall "Mir" verliert die Orientierung

Der Bordcomputer der "Mir" wehrt sich, so hat es den Anschein, erfolgreich gegen seine Versenkung: Wegen eines ausgefallenen Gyroskops muss der letzte Flug zur Station verschoben werden.


Moskau - Nach einem erneuten Stromausfall treibt die altersschwache russische Raumstation "Mir" orientierungslos durchs All. An das Andocken einer Versorgungskapsel ist vorerst nicht zu denken, und so musste die russische Raumfahrtbehörde den für Donnerstag geplanten Flug einer unbemannten Rakete zur "Mir" absagen - wenige Stunden vor dem Start. Der Progress-Transporter sollte ausgerechnet den Treibstoff zur Station bringen, der für den kontrollierten Absturz im März benötigt wird.

Hilflos im All: Die Raumstation "Mir"
DPA

Hilflos im All: Die Raumstation "Mir"

Wegen eines Abfalls der Stromspannung unter die benötigten 27 Volt hat sich nach Angaben von Missionschef Wladimir Solowjow das für die Steuerung und Stabilisierung der Station notwendige Gyroskop abgeschaltet. Falls es den Technikern gelingen sollte, den Schaden zu beheben, soll in frühestens fünf Tagen eine neuer Startversuch in Angriff genommen werden erfolgen. Falls nicht, wird Ende Januar entschieden, ob ein bemanntes Raumschiff zur "Mir" geschickt wird. Doch auch die Astronauten könnten auf Grund der instabilen Lage des fliegenden Kolosses Schwierigkeiten beim Andocken bekommen.

Stromausfälle auf der 15 Jahre alten Station sind ein altbekanntes Problem. Bislang war jedoch meist eine Besatzung an Bord, die die Stromversorgung wieder in Gang setzen konnte. Seit vergangenem Sommer zieht die Station allerdings unbemannt ihre Kreise.

Beim kontrollierten Absturz des 140 Tonnen schweren Orbitalkomplexes soll der größte Teil beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen. Der Rest könnte östlich von Australien in den Pazifik stürzen. Nach langem Zögern hatte sich die Regierung erst im November entschieden, die 15 Jahre alte Raumstation aufzugeben, da ihre Flugsicherheit und Finanzierung nicht länger gewährleistet sei. Ende vergangenen Jahres war der Funkkontakt zur "Mir" für mehrere Stunden abgerissen.



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