Studie Kaiserschnitt verdoppelt Totgeburt-Risiko

Frauen, die ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt bringen, haben bei der nachfolgenden Schwangerschaft ein doppelt so hohes Risiko einer Totgeburt. Diesen Zusammenhang entdeckten britische Forscher bei einer statistischen Untersuchung von mehr als 120.000 Frauen.


Familie nach der Geburt: Kaiserschnitt nur bei medizinischer Begründung empfehlenswert
DPA

Familie nach der Geburt: Kaiserschnitt nur bei medizinischer Begründung empfehlenswert

Der entscheidende Faktor scheint eine Beeinflussung der Gebärmutterdurchblutung durch den Kaiserschnitt zu sein, schreiben Gordon Smith von der University of Cambridge und seine Kollegen aus Glasgow und Edinburgh im Fachmagazin "The Lancet".

Sie untersuchten Daten, die zwischen 1985 und 1998 in zwei großen schottischen Studien erhoben worden waren. Erfasst waren mehr als 120.000 Frauen, von denen etwa 103.000 in die Auswertung eingingen. Eine statistische Analyse, in der sowohl gesundheitliche als auch soziale Faktoren berücksichtigt wurden, lieferte ein eindeutiges Ergebnis: Nur fünf von 10.000 Frauen, die ihre Kinder in einer Vaginalgeburt zur Welt gebracht hatten, erlitten in einer zweiten Schwangerschaft eine Totgeburt. Unter Frauen mit Kaiserschnitt-Geburten gab es dagegen elf Totgeburten.

Das Risiko erhöhte sich demnach erst ab der 34. Schwangerschaftswoche. Woran die Kinder vorzeitig starben, konnte nicht festgestellt werden. Besonders wegen dieser unerklärten Todesfälle und einiger anderer Befunde sind die Wissenschaftler sicher, dass die erhöhte Wahrscheinlichkeit von Totgeburten nicht im Zusammenhang mit den Risikofaktoren steht, die den ersten Kaiserschnitt nötig gemacht hatten.

Auch wenn die tatsächliche Todesursache der Kinder nicht bestimmt werden konnte, liegen für die Mediziner einige Gründe auf der Hand: Sie vermuten beispielsweise, dass der Schnitt in die Gebärmutter einige Blutgefäße unwiederbringlich zerstört. Die heranwachsenden Kinder könnten dann nicht ausreichend mit Blut und Nährstoffen versorgt werden und sich deshalb nicht richtig entwickeln. Diese These werde dadurch gestützt, dass viele der vorzeitig verstorbenen Kinder sehr klein für ihr Alter gewesen seien, berichten Smith und seine Kollegen.

Die Ergebnisse der Studie sollten vor allem Frauen zu denken geben, die nicht aus medizinischen Gründen über einen Kaiserschnitt nachdenken, betonen die Forscher. Liege jedoch ein wirkliches Risiko für Kind oder Mutter durch eine vaginale Geburt vor, sei ein Kaiserschnitt natürlich zu empfehlen. Das Risiko einer Totgeburt bei der zweiten Schwangerschaft sei absolut gesehen sehr klein und um ein Vielfaches geringer als beispielsweise die Gefahren einer vaginalen Geburt für Kinder, die in einer Steißlage liegen.



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