Studie Menschen mit Haustieren leben ungesünder

Hund, Katze und Kaninchen im Haus verbessern nicht die Gesundheit ihrer Halter. Im Gegenteil: Menschen ohne Tiere leben offenbar etwas gesünder. Machen Haustiere also Menschen krank? Das behaupten die Forscher nicht - und vermuten einen ganz anderen Grund für den Zusammenhang.


Haustiere sind knuffig, kuschelig, gucken stets treudoof - und halten vor allem gesund. Diese weitverbreitete Annahme, die in der Vergangenheit auch von den Ergebnissen episodischer wissenschaftlicher Untersuchungen gestützt zu werden schien, ist falsch. Zu diesem Schluss kommen finnische Forscher. Sie fanden heraus: Besitzer von Haustieren sind nicht gesünder als der Bevölkerungsdurchschnitt - im Gegenteil.

Kind mit Katze: Haustierhalter haben's vielleicht kuscheliger - gesünder sind sie nicht
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Kind mit Katze: Haustierhalter haben's vielleicht kuscheliger - gesünder sind sie nicht

Mit den landläufigen Behauptungen, geht Leena Koivusilta von der Universität Turku hart ins Gericht: "Nicht alle wissenschaftlichen Untersuchungen fußen wirklich auf der Anwendung repräsentativer Stichproben und statistisch korrekter Methoden." Kurz gesagt, hier wurde nachlässig gearbeitet - und naheliegende Fehlschlüsse nicht weiter hinterfragt. Koivusilta berichtet von Untersuchungen mit zu kleinen Zahlen oder Stichproben, die aus freiwilligen Teilnehmern bestanden, und somit nicht repräsentativ waren.

Genau das interessierte die finnische Forscherin aber: Wie sieht es im breiten Durchschnitt aus? Den suchte sie in den Angaben von 21.101 erwachsenen Finnen zwischen 20 und 54 Jahren, die bis 1998 an einer 15 Jahre dauernden Befragung teilgenommen hatten.

Dabei hatten sie unter anderem immer wieder angegeben: Besitze ich ein Haustier? Wie fühle ich mich ganz subjektiv gesundheitlich? Welche Krankheiten sind diagnostiziert worden? Aber auch allgemeinere Gewohnheiten wurden abgefragt - ein kleiner statistischer Schatz. Koivusilta wertete ihn im Rahmen des großangelegten Forschungsprojekts "Health and Social Support" aus - Gesundheit und soziale Unterstützung.

Tierhalter sind kranker, etwas dicker und rauchen mehr

Zweitgenanntes mögen Tiere durchaus leisten, wenigstens in Form sogenannter parasozialer Beziehungen (solche also, die Menschen wie soziale Beziehungen interpretieren). Zur Gesundheit tragen sie nicht bei, berichtet Koivusilta mit ihrer Kollegin Ansa Ojanlatva in einem Artikel für die Online-Wissenschaftszeitschrift "PloS One": "Haustierbesitz ging eher mit schlechterer als mit besserer wahrgenommener Gesundheit einher."

Auch nach objektiven Kriterien schnitten die Tierhalter schlechter ab. Unter anderem Bluthochdruck, hoher Cholesterinspiegel, Nierenkrankheiten oder Migräne wurden bei ihnen etwas häufiger diagnostiziert. Mögliche verfälschende Faktoren - wie etwa die Altersgruppe - hatten die Forscher herausgerechnet. Außerdem rauchten die Tierhalter häufiger und waren etwas beleibter als Haustier-lose Menschen. "Haustierbesitz ging am stärksten mit einem erhöhten Body-Mass-Index einher", schreibt Koivusilta.

Es handelt sich bei diesen Befunden allerdings um statistische Korrelationen, nicht zwangsläufig um Kausalzusammenhänge. So könnten auch dritte, ganz andere Faktoren sowohl für das erhöhte Haustieraufkommen als auch für die schlechtere Gesundheit bei bestimmten Bevölkerungsgruppen verantwortlich sein.

Koivusilta schlägt selbst einen zentralen Faktor vor, die soziodemografische Situation eines Menschen. "Männliches Geschlecht, geringer Bildungsstand, keine Paarbeziehung und niedriger sozialer Status" seien charakteristisch für schlechte Gesundheit in epidemiologischer Perspektive allgemein - und könnten auch einen großen Teil der Verbindung von Haustier-Besitz und schlechter Gesundheit erklären, schreibt sie.

stx



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