Norwegische Studie Paare, die die Hausarbeit teilen, trennen sich eher

Übernimmt die Frau den Löwenanteil der Hausarbeit, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass dieses Paar in ein paar Jahren noch zusammen ist - das lässt sich aus in Norwegen gesammelten Daten ablesen. Eine Ausrede für männliche Putzmuffel ist das aber nicht.
Sie putzt, er entspannt: Ob das die Beziehung stärkt?

Sie putzt, er entspannt: Ob das die Beziehung stärkt?

Foto: Corbis

Wie Paare Hausarbeit und Kindererziehung organisieren und wer welchen Anteil der Arbeit übernimmt - das haben norwegische Forscher des Instituts Nova bei ihren Landsleuten untersucht. Sie wollten dabei auch herausfinden, ob sich anhand dieser Aufteilung vorhersagen lässt, ob das Paar fünf Jahre später noch zusammen ist oder sich getrennt hat.

Im Bericht "Likestilling hjemme"  ("Gleichberechtigung zu Hause") kommen sie zum Schluss: Paare, die sich die Hausarbeit teilen, trennen sich eher als Paare, bei denen die Frau den Großteil der häuslichen Arbeiten übernimmt. Auch wenn der Mann mehr im Haushalt tut als die Frau, steigt die Trennungsrate. Je mehr ein Mann zu Hause macht, desto höher ist die Scheidungsrate", sagt Studien-Mitautor Thomas Hansen. Das Ergebnis beruht auf der Befragung von mehr als 15.000 Norwegern im Alter zwischen 18 und 79 Jahren.

Diese Erkenntnis bedeutet aber nicht, dass gemeinsames Putzen schlecht für eine Beziehung ist. Die Aufteilung der Hausarbeit sei vielmehr ein Indiz dafür, dass die Paare weniger traditionell ausgerichtet sind. Bei traditionell eingestellten Paaren, bei denen die Frau den größeren Teil der Hausarbeit erledige, würden wahrscheinlich auch beide Partner der Ehe großen Wert beimessen - und einer Scheidung kritischer gegenüberstehen.

"Bei modernen Paaren haben auch die Frauen einen hohen Bildungsgrad sowie eine gut bezahlte Stelle, womit sie finanziell weniger abhängig vom Mann sind", sagt Hansen. Sie könnten eine Scheidung somit besser verkraften. Möglicherweise werde eine klare Rollenteilung manchmal positiv gesehen, da dann "keiner dem anderen auf die Füße tritt". Damit gebe es dann möglicherweise auch weniger Streit, meint Hansen.

Das Thema Gleichberechtigung wird in Norwegen großgeschrieben. Das zeigt sich etwa bei der Kinderbetreuung, um die es in der Studie auch ging. Die Kindererziehung werde bei sieben von zehn Paaren zwischen Müttern und Vätern gleichmäßig aufgeteilt, sagt Hansen. Und 95 Prozent dieser Paare sind der Studie zufolge mit dieser Aufteilung zufrieden.

Kümmert sich vor allem die Frau um die Kinder, sind 84 Prozent der Männer und 56 Prozent der Frauen mit diesem Arrangement zufrieden. Ist dagegen vor allem der Vater für die Kinderbetreuung verantwortlich, sind in knapp 90 Prozent der Fälle beide Partner zufrieden damit.

Wenn es aber um den Haushalt geht, werde die Arbeit bei sieben von zehn Paaren noch immer größtenteils von der Frau erledigt.

wbr/AFP
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