Fehlender Ruhezustand Wenigschläfer werden dicker

Ein Schlafdefizit kann direkt aufs Gewicht schlagen: Zwar verbraucht der Mensch im Wachzustand mehr Energie als im Schlaf. Doch vor allem spätabends neigen wir dazu, mehr zu essen, als wir benötigen, berichten Forscher. Weitere Studien sollen den Faktor Schlaf in Diätprogrammen untersuchen.
Der späte Snack ist schuld: Wer wenig schläft, sündigt mehr, sagen Forscher

Der späte Snack ist schuld: Wer wenig schläft, sündigt mehr, sagen Forscher

Foto: Corbis

Wer abnehmen will, sollte auch auf ausreichend Nachtruhe achten: Denn zu wenig Schlaf kann aufs Gewicht schlagen. In einem Experiment haben Forscher detailliert aufgeschlüsselt, wie Schlafmangel zu Übergewicht beiträgt. Demnach verbrauchen Menschen im Wachzustand zwar mehr Energie als beim Schlafen. Aber gleichzeitig neigen Männer und Frauen insbesondere spätabends zu kalorienreicher Kost. Das schreiben  Wissenschaftler der University of Colorado im amerikanischen Boulder im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Weltweit gelten mehr als 1,4 Milliarden Erwachsene als übergewichtig oder fettleibig, außerdem fast 200 Millionen Heranwachsende, wie das Team um den Schlafmediziner Kenneth Wright berichtet. Die Körperfülle steigert das Risiko für etliche Gesundheitsprobleme, darunter Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes, Depression und sogar einige Krebsarten.

In der Studie untersuchten die Forscher 16 gesunde junge Erwachsene zwei Wochen lang im Krankenhaus der Universität. In den ruhigen Schlafräumen konnten die Wissenschaftler nicht nur das Licht regulieren, sondern auch den Stoffwechsel der Bewohner genau aufzeichnen. Während der ersten drei Tage durften alle Teilnehmer neun Stunden schlafen. Danach teilten die Forscher die Menschen in zwei Gruppen: Fünf Tage lang durfte eine Hälfte neun Stunden lang schlafen. Die Mitglieder der anderen kamen nur noch fünf Stunden zur Nachtruhe: Sie durften erst zwei Stunden später zu Bett und wurden zudem zwei Stunden früher geweckt. Zum Essen durften sich alle Probanden nach Belieben von einer breiten Auswahl bedienen. Nach fünf Tagen wurden die Gruppen getauscht.

Mehr nächtliches Naschen

Zwar verbrauchten die Probanden mit Schlafdefizit im Mittel fünf Prozent mehr Energie. Aber andererseits konsumierten sie sechs Prozent mehr Kalorien. Im Mittel nahmen sie während der Schlafmangelphase fast ein Kilo zu. Beim Frühstück waren die übernächtigten Menschen zwar zurückhaltend, möglicherweise, weil ihre innere Uhr noch im Schlafmodus war. Aber dafür griffen sie spätabends verstärkt zu kalorienreichen Lebensmitteln - Fetten und Kohlenhydraten. Das passt zu Studien, denen zufolge gerade nächtliches Naschen Übergewicht fördert.

"Weniger Schlaf allein führt nicht zu Gewichtszunahme", sagt Wright laut einer Pressemitteilung seines Instituts. "Aber wenn die Leute nicht genug Schlaf kriegen, neigen sie dazu, mehr zu essen als sie eigentlich brauchen." Nun müssten klinische Studien zeigen, ob Schlaf zu Diätprogrammen und auch generell zu einem gesunden Ernährungsverhalten beitragen kann, betonen die Wissenschaftler.

nik/dpa
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