Studie Schlaganfälle werden in den USA seltener

Schlaganfälle zählen zusammen mit Herzkrankheiten und Krebs zu den großen Killern in den Industriegesellschaften. Doch entgegen landläufiger Wahrnehmung werden sie seltener, fanden US-Forscher heraus. Nur leider bleibt die Schwere der Anfälle gleich.


Es klingt nach einer guten Nachricht - nichts da mit immer mehr und immer schlimmer: Im Laufe der vergangenen 50 Jahre ist die Häufigkeit von Schlaganfällen merklich zurückgegangen. Dies stellten Forscher bei über 9000 Patienten in den USA fest. Von 1950 bis 2004 sank das Risiko, wenigstens einmal im Leben einen Schlaganfall zu erleiden, für 65-jährige Männer von 19,5 auf 14,5 Prozent, für gleichaltrige Frauen immerhin von 18 auf 16,1 Prozent.

Hirnscan eines Schlaganfall-Patienten: Bei US-Patienten sank die Häufigkeit seit 1950
DPA

Hirnscan eines Schlaganfall-Patienten: Bei US-Patienten sank die Häufigkeit seit 1950

Das berichtet Raphael Carandang von der Boston University in der Fachzeitschrift "Journal of the American Medical Association" (Jama). Er hatte Material der sogenannten Framingham-Studie ausgewertet. Dafür waren im Ort Framingham im US-Bundesstaat Massachussets im Jahr 1950 rund 5000 Freiwillige rekrutiert worden. Sie machten detaillierte Angaben zu ihrem Gesundheitszustand, wurden ärztlich untersucht und auch ihre Geschichte von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurde penibel aufgezeichnet - 27 Jahre lang.

In zwei weiteren Wellen derselben Studie wurden zwischen 1978 und 1989 sowie zwischen 1990 und 2004 auch die Nachkommen einiger Teilnehmer einbezogen. Dies erlaubt Forschern, einer großen Zahl ungewöhnlich konsistenter Patientendaten über den Lauf der Zeit zu folgen.

Überraschend ist angesichts der seltenerer werdenden Schlaganfälle dabei das Ergebnis: Die altersbereinigte Schwere der einzelnen Schlaganfälle hat sich in über 50 Jahren nicht verändert. Und auch ein Unterschied zwischen den Geschlechtern verblüfft die Forscher.

Sterberisiko sank bei Männern stark, bei Frauen kaum

Zwar sank das Risiko, binnen 30 Tagen nach dem Anfall zu sterben, bei Männern von 23 auf 14 Prozent. Bei Frauen stellte der Mediziner hingegen nur eine Veränderung von 21 auf 20 Prozent fest, das ist statistisch nicht signifikant. "Vielleicht liegt das daran, dass Schlaganfälle bei Frauen im höheren Lebensalter eintreten und dadurch schwerer sind", schreibt Carandang.

Woran das liegt, wäre eine zentrale Frage für die öffentliche Gesundheitsvorsorge. Denn in den USA belegt der Schlaganfall als Todesursache - hinter Herzkrankheiten und Krebs - den dritten Platz als schlimmster Killer. 750.000 neue Anfälle geschehen dort binnen eines Jahres.

Auch in Deutschland werden jährlich mehr als 150.000 Menschen Opfer eines Schlaganfalls, 40 Prozent davon sterben innerhalb eines Jahres. Fast zwei Drittel der Überlebenden sind anschließend behindert und auf fremde Hilfe angewiesen. Trotz alledem ist das Wissen über Risiken und Symptome in der Bevölkerung allenfalls dürftig, hatten Forscher der Berliner Charité im Frühjahr herausgefunden.

stx



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