Studie SMS tippen und gehen - geht so

Telefonieren, Kurznachrichten schreiben, E-Mails lesen: Geht mit Smartphone alles beim Gang durch die Stadt. Eine Studie zeigt, wie stark die Technik vom Gehen ablenkt.
Halloween-Parade in Tokio, Japan (Archivbild): "Unter 50-Jährige sind daran gewöhnt, mit Mobiltechnologie zu interagieren, während sie gehen", heißt es in der Studie

Halloween-Parade in Tokio, Japan (Archivbild): "Unter 50-Jährige sind daran gewöhnt, mit Mobiltechnologie zu interagieren, während sie gehen", heißt es in der Studie

Foto: TORU YAMANAKA/ AFP

Das gleich vorweg: Wer am Steuer sitzt, soll bitte keine Nachrichten schreiben oder lesen - das ist zu Recht verboten. Und auch beim Lenken eines Fahrrads ist das Hantieren mit dem Smartphone eine wirklich schlechte Idee.

Eine nun von britischen und US-Forschern veröffentlichte Studie bezieht sich allein auf das Verhalten von Fußgängern, die gleichzeitig SMS verfassen und durch die Gegend marschieren.

Die Tipper gehen langsamer, wie das Team um Conrad Earnest von der Texas A&M University berichtet. Sie kollidieren allerdings nicht häufiger mit Hindernissen, schreiben die Forscher im Fachblatt "PLOS ONE" .

30 Teilnehmer absolvierten je dreimal einen mit kleinen Hindernissen gespickten Parcours:

  • Einmal konnten sie einfach gehen,
  • einmal sollten sie beim Gehen auf SMS mit SMS antworten.
  • Und einmal mussten sie während des Gehens nicht nur SMS tippen, sondern zusätzlich Mathe-Aufgaben lösen.

Als Hindernisse dienten unter anderem eine Bordsteinkante, ein paar unebene Stufen, zwei Verkehrsbaken, die man umgehen musste und zwei Dummies, als Ersatz für auf dem Gehweg stehende Leute.

Wer hat das bezahlt?

Die Studie wurde als Teil einer Udergraduate Thesis (vergleichbar mit einer Bachelor-Arbeit) durchgeführt. Conrad Earnest von der Texas AM University schreibt, da die Uni einer Veröffentlichung kritisch gegenüberstand, habe er den Fachartikel zusammen mit den Studenten in seiner Freizeit geschrieben und die Gebühr für die Publikation in Plos aus eigener Tasche bezahlt - "weil es gute Arbeit ist und gute Wissenschaft publiziert werden sollte".

Ganz klar: Ohne Ablenkung spazierte es sich am schnellsten. Die Schrittlänge war größer. Die Zahl der Schritte pro Sekunde höher. Die Zeit, in der beide Füße Bodenkontakt hatten, kürzer. Und der Abstand zwischen einem Hindernis und dem Fuß war am kleinsten, wenn die Teilnehmer nicht durch Texten oder Knobeln abgelenkt waren.

Waren die Probanden abgelenkt, gingen sie langsamer und wichen Hindernissen in größerem Abstand aus. Während sie ohne Ablenkung gut 19 Sekunden für den Parcours brauchten, waren es zwischen 24 und 25 Sekunden, wenn sie dabei tippten oder zusätzlich rechneten.

Die ermittelten Daten deuten nicht darauf hin, dass Nachrichten schreibende Fußgänger häufiger stolpern. Man könne allerdings nicht ausschließen, dass die Teilnehmer, weil sie ja wussten, dass sie bei einem Experiment mitmachen, vorsichtiger waren, als sie das im Alltag sind.

Eine frühere Studie  hat gezeigt, dass Menschen, die beim Gehen telefonieren, auch so etwas Offensichtliches wie einen auf einem Einrad fahrenden Clown in der Nähe leicht übersehen. Diese Unaufmerksamkeit, gepaart mit dem veränderten Gehrhythmus könnte zu mehr Unfällen führen, vermuten die Forscher. Ob das so ist, lässt sich mit dieser Form von Studie aber nicht beantworten.

Earnest meint, es sei wohl zu naiv, Menschen zu empfehlen, dass sie die Zeit zu Fuß genießen und Kurznachrichten und E-Mails eine Weile warten lassen sollen. "Ein Kompromiss ist wohl das beste: Wenn eine Mitteilung nicht warten kann, bleibt man eben kurz stehen, antwortet und geht danach weiter."

wbr
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