Studie zum Sex-Appeal Warum Chirurgen die schönsten Ärzte sind

Warum spielt George Clooney keinen Urologen? Warum werden Frauen in Fernsehserien nie von Hals-Nasen-Ohren-Ärzten verführt? Die Schönsten und Größten sind immer die Chirurgen. Spanische Forscher haben jetzt mit der ganzen Härte der Wissenschaft nach den Gründen gesucht.


Chirurgen sind größer, schöner und selbstsicherer als einfache Ärzte - das kann jeder Serien-Fan in Fernseh-Rennern wie "Emergency Room" sehen, in der einst auch Hollywoodstar George Clooney wirkte. Ein spanisches Medizinerteam fragte sich: Warum nur? Denn die vier Ärzte der Uniklinik Barcelona hatten auch unter ihren Studenten Seltsames bemerkt: Große, gutaussehende Jünglinge seien öfter zu Chirurgen geworden als ihre kleinen, unscheinbaren Kommilitonen.

Ex-TV-Arzt George Clooney: Er spielte in "Emergency Room" einen Kinderarzt. Im wirklichen Leben aber sind Chirurgen die schönsten Ärzte - glauben spanische Mediziner
REUTERS

Ex-TV-Arzt George Clooney: Er spielte in "Emergency Room" einen Kinderarzt. Im wirklichen Leben aber sind Chirurgen die schönsten Ärzte - glauben spanische Mediziner

Die Forscher entschlossen sich, dem Rätsel wissenschaftlich beizukommen. Die Ergebnisse sind an diesem Wochenende im ansonsten bierernst-seriösen Fachblatt "British Medical Journal" zu lesen.

Die vier Mediziner von der Universitätsklinik Barcelona baten zwölf zufällig ausgewählte Chirurgen und zwölf Allgemeinärzte um statistische Daten und Fotos. Die Bilder der Männer im Alter von 45 bis 59 Jahren wurden einer gleichaltrigen weiblichen Jury aus drei Ärztinnen und fünf Krankenschwestern zum Schönheitstest vorgelegt. Als "Kontrollgruppe" dienten Bilder von Filmstars in Mediziner-Rollen: Clooney und Harrison Ford, Patrick Dempsey und Hugh Laurie.

Die Frauen hatten eine siebenstufige Skala zur Verfügung: von 1 für hässlich bis 7 für höchst attraktiv. Die Schauspieler, kaum überraschend, räumten kräftig ab: Sie kamen im Durchschnitt auf einen Attraktivitätswert von 5,96. Echte Chirurgen landeten immerhin noch bei 4,39 Punkten, Allgemeinmediziner bloß bei 3,65.

Somit sei bewiesen, dass Chirurgen schöner und größer als ihre Ärztekollegen sind - und zwar "signifikant", wie das Forscherteam um Antoni Trilla schreibt. Durchschnittlich messen sie nahezu sieben Zentimeter Körpergröße mehr. Auch hätten sie meist volleres Haar.

Evolutionäre Gründe für besseres Aussehen?

Dass Chirurgen größer und schöner seien, könne "evolutionäre" Gründe haben, heißt es in der Studie: Die zusätzliche Größe mache sie zu geborenen Befehlshabern und verschaffe einen besseren Blick auf den Operationssaal und den Patienten auf dem OP-Tisch. Zur Körperlänge trage dann noch die holzschuhartige Dienstbekleidung an den Füßen bei. "Der leitende Chirurg ist normalerweise von Untergebenen, Auszubildenden, Krankenschwestern, Narkoseärzten und dergleichen umgeben", heißt es in der Studie. "Seine Größe und seine Erscheinung machen ihn als ihren Anführer leicht erkennbar."

Die Arbeit im sauberen, sauerstoffreichen OP-Saal verschaffe den Chirurgen außerdem einen frischeren, rosigen Teint. Die Gesichter seien außerdem durch Masken geschützt - was die Haut vor Mikrotraumata schütze. Allgemeinmediziner hätten dagegen eine Neigung, sich schwere Stethoskope um den Hals zu hängen, die ihre Köpfe nach vorn beugten und die wahrgenommene Größe noch weiter reduzierten.

Eine beeindruckende Körpergröße sei bei Allgemeinmedizinern allerdings auch gar nicht vonnöten: "Sie sind in ihrem Lebensraum von weniger Menschen umgeben und müssen deshalb auch nicht so oft als Anführer inmitten eines Schwarms erkannt werden." Ein weiterer Faktor könne der ständige Fortbildungsdruck sein: Das stapelweise Studieren von Medizin-Fachblättern sorge für eine "Informations-Überlast", die den Allgemeinmediziner schneller verfallen lasse.

Die Studie dürfte für Wirbel unter Medizinern sorgen. Trilla und seine Kollegen berichten bereits von chaotischen Zuständen an ihrem eigenen Krankenhaus: "Wir haben die individuellen Ergebnisse nicht publik gemacht", schreiben die Mediziner. "Dennoch kam es durch unsere Untersuchung zu weit verbreiteten Gerüchten, Abstimmungen und illegalen Wetten überall in unserer Einrichtung."

Trilla und seine Kollegen danken in ihrem Artikel allen Teilnehmern der Studie für den "frischen Wind und einen Hauch Humor". Um Anwürfen zuvorzukommen, schreibt Trilla, dass er Allgemeinmediziner, seine Mitautorin Marta Aymerich dagegen Chirurgin sei. "Martas Attraktivitätswert für Antoni wurde nicht erhoben", heißt es im letzten Satz, "um zu Weihnachten häusliche Schwierigkeiten zu vermeiden."

mbe/AFP



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