Stürmische US-Küsten Hurrikane bedrohen Windpark-Pläne

Mehr Energie aus Offshore-Windparks zu gewinnen, das könnte sich auch in den USA schwierig gestalten: Forscher berichten, dass viele der möglichen Standorte in Küstengewässern auf der Route schwerer Stürme liegen. Nur spezielle Konstruktionen könnten helfen.

Wirbelsturm vor der Pazifikküste (hier "Rick", 2009): Angst um Windräder
AFP / Nasa

Wirbelsturm vor der Pazifikküste (hier "Rick", 2009): Angst um Windräder


Hamburg - Die zahlreichen Wirbelstürme an den US-Küsten gefährden die dort geplanten Windparks im Meer. Eine statistische Auswertung kommt zu dem Schluss, dass im Verlauf von 20 Jahren jede zweite Turbine von den Stürmen zerstört würde. Davon betroffen wären Windparks in den küstennahen Gewässern im Golf von Mexiko und an der Atlantikküste. Die Studie stammt von einer Gruppe um Paulina Jaramillo von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Veröffentlicht ist sie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Das US-Energieministerium hat demnach berechnet, dass - wenn die USA 20 Prozent ihrer Elektrizität aus Windkraft gewinnen wollen - mehr als 50 Gigawatt aus Offshore-Windparks in den flachen Küstengewässern kommen müssen. Diese Gebiete haben aber ein gewaltiges Problem: Sie liegen auf den Routen der Hurrikane, die mehrfach im Jahr von der See her aufs Land treffen. Vergleichbare Stürme gibt es in der Nordsee nicht, wo die meisten bisher installierten, vergleichbaren Windräder stehen.

Von 1949 bis 2006 haben 93 Hurrikane das US-Festland erreicht, schreiben Jaramillo und ihre Kollegen. Nur 15 von ihnen richteten keinen Schaden an. Hurrikan Katrina (2005) zerstörte gleich 44 Öl- und Gasplattformen und beschädigte 21 weitere. In China und Japan zerstörten tropische Wirbelstürme ebenfalls viele Turbinen auf See. Das US-Team verglich nun unter anderem die Routen der bisherigen Hurrikane und die potentiellen Standorte von Windparks entlang der Küsten.

Risiken vor Bau der Anlage berücksichtigen

Zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen zählen die Autoren verstärkte Konstruktionen sowie die Möglichkeit, die Rotorblätter zuverlässig aus dem Wind drehen zu können. Damit setzen sie dem Sturm weniger Angriffsfläche entgegen. Entsprechende Batterien zur Versorgung der Windturbinen kosteten zwischen 30.000 und 40.000 Dollar (etwa 22.000 bis 30.000 Euro). Das damit verbundene zusätzliche Gewicht betrage zwischen 1400 und 2400 Kilogramm.

Auch zuverlässige Windrichtungsanzeiger gehörten zur nötigen technischen Ausstattung. Zudem ließen sich bereits jetzt Gebiete ausmachen, in denen das Risiko von Stürmen besonders hoch ist.

Wer alle diese Risiken kenne und bei der Installation der Offshore-Windparks berücksichtige, könne eine vorschnelle Ablehnung der Technik nach dem ersten Abknicken einiger Windkraftanlagen im ersten schweren Sturm verhindern, erläutert Jaramillo.

nik/dpa



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