Stürmischer Titan Steife Brise aus Nordwest

Erstmals ist es Astronomen gelungen, die vorherrschende Windrichtung auf Titan zu bestimmen. Die für 2004 geplante Landung auf dem Saturn-Mond bleibt dennoch ein heikles Unterfangen.


Es ist mehr als ein laues Lüftchen, das in 200 Kilometer Höhe über den Saturn-Mond Titan fegt. Mit einer Geschwindigkeit von 750 Kilometern pro Stunde toben die Luftmassen in der Titan-Atmosphäre. Dabei halten sie, das zeigen aktuelle Untersuchungen eines Nasa-Forscherteams, eine klare Richtung ein: Die Titan-Tornados blasen von West nach Ost.

Dicke Atmosphäre, starke Winde: Der Saturn-Mond Titan ähnelt der Erde in vielen Aspekten
NASA / JPL

Dicke Atmosphäre, starke Winde: Der Saturn-Mond Titan ähnelt der Erde in vielen Aspekten

Theodor Kostiuk vom Goddard Space Flight Center der Nasa hat den zweitgrößten Mond unseres Sonnensystems mit Hilfe des Drei-Meter-Infrarotteleskops auf dem Mauna Kea in Hawaii ins Visier genommen. Vergleichbar mit Radarfallen, die die Veränderung bestimmter Frequenzen durch sich bewegende Objekte messen, offenbart auch die Titanatmosphäre unterschiedliche Geschwindigkeiten.

Wie Kostiuk und Kollegen in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" berichten, zeigten die infraroten Emissionslinien von gasförmigen Ethan am westlichen Rand des Mondes eine deutliche Verschiebung hin zum Beobachter. Am östlichen Rand der Mondscheibe bewegten sich die Ethan-Moleküle dagegen von der Erde weg.

Aus diesen Unterschieden konnten die Forscher in groben Zügen Windrichtung und -geschwindigkeit ermitteln. Ob die Winde nicht doch manchmal aus Nord- oder Südwest wehen, offenbaren die Messungen nicht. Mit Hilfe eines Acht-Meter-Teleskops sollen die gewonnenen Daten nun verfeinert werden.

Die neuen Erkenntnisse kommen gerade recht für die weitere Planung der "Cassini"-Mission. Die gemeinsame Sonde der europäischen und der US-Weltraumbehörde ist derzeit unterwegs zum Ringplaneten, wo sie in rund drei Jahren ankommen soll. Für November 2004 ist schließlich geplant, eine Tochtersonde, "Huygens" genannt, durch die dicke Titan-Atmosphäre hindurch auf dem Mond landen zu lassen.

Ein heikles Unterfangen. Die Batterien der 350 Kilogramm schweren "Huygens"-Sonde reichen gerade einmal für 150 Minuten. Um die während des Abstiegs gemessenen Daten zurück zur Erde funken zu können, sollte gleichzeitig der Kontakt zur Muttersonde nicht abreißen. Um dies zu gewährleisten, sind die Missionsdesigner auf möglichst genau Informationen über die vorherrschenden Winde angewiesen.

Die aktuellen Messungen stellen die beteiligten Wissenschaftler allerdings nicht ganz zufrieden. Die stratosphärischen Winde gelten nur für eine bestimmte Höhe, sie "sagen uns nichts über die Regionen, in denen sich 'Huygens' hauptsächlich aufhalten wird", warnt Michael Bird gegenüber "Nature Science Update".

Der Forscher von der Universität Bonn leitet ein Projekt, mit dem die Winde direkt auf der Titan-Oberfläche vermessen werden sollen. "Wir müssen vor Ort sein, um die Windrichtung letztlich feststellen zu können", so Bird. "Und wir sind bereit für Überraschungen."



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.