Südkorea Klonwolf-Studie könnte gefälscht sein

Seoul steht womöglich erneut vor einem Klon-Skandal. Die Nationaluniversität in Seoul prüft eine Studie über die weltweit ersten geklonten Wölfe. Die Daten könnten gezielt manipuliert worden sein. Einer der Forscher hat bereits einen "Rechenfehler" eingeräumt.


In Südkorea wurde wieder einmal ein Tier geklont - das zumindest behaupteten die beteiligten Forscher. Wissenschaftler in anderen Ländern und die Presse reagieren mittlerweile aber zurückhaltend auf derartige Erfolgsmeldungen aus dem asiatischen Land. Der große Skandal um zwei gefälschte Klonstudien des in Südkorea zunächst als Nationalheld gefeierten Genforschers Hwang Woo Suk ist noch in allzu guter Erinnerung.

Angeblich geklonte Wölfe: Erneut Daten gefälscht?
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Angeblich geklonte Wölfe: Erneut Daten gefälscht?

Eine neue Mitteilung der Seouler Nationaluniversität nährt nun die Zweifel an der Seriosität der südkoreanischen Klonexperten. Eine vor zwei Wochen vorgestellte Studie über angeblich erstmals geklonte Wölfe könnte gezielt manipuliert worden sein, erklärte die Universität. Eine Untersuchung der Daten sei eingeleitet worden.

Das Team um den Tiermediziner Lee Byeong Chun stehe im Verdacht, eine höhere Erfolgsquote angegeben zu haben, als bei dem Klonexperiment tatsächlich erzielt worden sei. Auch könnten die Ergebnisse falsche Informationen über die an den Wölfen vorgenommene DNA-Analyse enthalten.

Lee war Mitglied des Teams um den später als Fälscher entlarvten Gentechnik-Star Hwang, der im August 2005 mit "Snuppy" den weltweit ersten Klonhund vorgestellt hatte. Während zwei Studien Hwangs über embryonale Stammzellen als Fälschungen erkannt wurden, hat sich "Snuppy" tatsächlich als Klon erwiesen.

Lee räumte ein, dass in seiner Studie falsche Zahlen veröffentlicht wurden. Dies sei jedoch nicht mit Absicht geschehen. "Es war ein simpler Rechenfehler", wurde Lee von der Zeitung "The Korea Herald" zitiert. Er sei sich der Empfindsamkeit der Menschen und der Medien bei Fehlern in solchen Forschungsberichten bewusst. Lee habe das Fachjournal "Cloning and Stem Cells" gebeten, eine Korrektur der Studie vorzunehmen, teilte ein Hochschulvertreter in Seoul mit. Dort waren die Daten in der Märzausgabe (Bd. 9, S. 130) veröffentlicht worden.

Das Team um Lee und seinen Kollegen Shin Nam Sik hatte vor zwei Wochen zwei weibliche Jungwölfe vorgestellt, die bereits vor knapp anderthalb Jahren erfolgreich geklont und zur Welt gebracht worden sein sollen. Die beiden Wölfe "Snuwolf" und "Snuwolffy" entstanden den Angaben zufolge aus der Körperzelle eines erwachsenen Artgenossen. Die Nationaluniversität kündigte an, die Echtheit der Klonwölfe prüfen zu lassen.

Die Wissenschaftler hatten nach eigenen Angaben das Erbgut eines in Gefangenschaft geborenen Wolfs in zuvor entkernte Hunde-Eizellen gegeben. Die Eizellen seien dann in die Gebärmütter von zwölf Hündinnen eingepflanzt worden, die als Leihmütter fungierten. Zwei Tiere hätten im Oktober 2005 die beiden geklonten Wölfe zur Welt gebracht. Die Klontechnik könnte nach Meinung der Forscher auch dabei helfen, bedrohte Tierarten zu erhalten.

hda/dpa



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