Tal der Könige Mysteriöser Tunnel unter Pharaonengrab freigelegt

Archäologie-Krimi im Tal der Könige: Was befindet sich am Ende eines mehr als 3000 Jahre alten Tunnels unter dem Grab des Pharao Sethos I.? Wissenschaftler haben nach jahrelanger Arbeit nun eine Antwort auf diese Frage bekommen - und zwar eine reichlich unbefriedigende.

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Kairo - Für Archäologen heißt der prunkvolle Bau schlicht KV17. Die Ruhestätte des Pharao Sethos I. im Tal der Könige bei Luxor gehört zu den aufwändigsten und prunkvollsten Gräbern dort. Von der Grabkammer führt ein langer Tunnel, der sogenannte Schacht K, mit bisher unbekanntem Ziel in die Tiefe. Rund einen Meter breit und anderthalb Meter hoch ist er.

Seit 200 Jahren rätseln Ägyptologen, was wohl am Ende des mysteriösen Ganges liegen könnte. Ägyptischen Forschern und Ingenieuren ist es nun endlich gelungen, dorthin vorzudringen. Und hinter den steil hinab führenden Korridoren und Treppen fanden sie - nichts. "Die letzte Treppenstufe blieb unvollendet, der Tunnel endet abrupt", erklärte der Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass.

Diejenigen, die dort eine versteckte Schatzkammer vermutet hatten, wurden damit enttäuscht wie Forscher, die eine Verbindung zum Grundwasser erwartet hatten. Die Entdeckung deutet darauf hin, dass die Baupläne von Sethos I., der um 1279 vor Christus nach einer etwa elfjähriger Regierungszeit gestorben war, nicht komplett verwirklicht wurden.

Als der Italiener Giovanni Belzoni das reich verzierte Grab im Oktober 1817 entdeckte, drang er immerhin 90 Meter in den mysteriösen Schacht vor. Ein ägyptischer Hobbyarchäologe, der in der Tiefe eine zweite, mit wertvollen Gaben angefüllte, verborgene Grabkammer erwartete, kämpfte sich im Jahr 1960 bis zu Meter 136 vor. Bis 1978 konnten auch Touristen das Grab besuchen. Wegen der entstandenen Schäden an den Gemälden ist das seitdem nicht mehr möglich. Im Jahr 2007 wurde dann die Arbeit in Schacht K wieder aufgenommen. Die Wände wurden mit speziellen Stützvorrichtungen gesichert.

Reliefs und Wandmalereien wurden nie verwirklicht

Die Forscher stießen, während sie immer tiefer in den Berg eindrangen, auf Zeichnungen an den Wänden. Es handelte sich offenbar um Skizzen für opulente Reliefs und Wandmalereien. Sie wurden aber nie verwirklicht. Außerdem fanden sich kleine Figuren und Steinfragmente mit dem Namen des Grabbesitzers.

Einige Forscher hatten die Spekulationen über eine mögliche zweite versteckte Grabkammer von Anfang an als Spinnerei abgetan. Sie hatten dem Tunnel keine praktische, sondern eher eine symbolische Bedeutung in der Anlage zugewiesen. Hawass warf jedoch während der Grabung die Frage auf: "174 Meter für ein Symbol, ist das nicht sehr viel Aufwand?"

Sethos I., der 2. Herrscher der 19. Dynastie, ist der Vater von Ramses II., der zu den bedeutendsten Herrschern Ägyptens zählte. In Sethos Grab wurden später die Mumien seines Sohnes und seines Vaters Ramses I. versteckt. Die Mumien von Großvater, Vater und Sohn wurden dann aber in ein weiteres Versteck in Deir al-Bahari gebracht. Im Grab des Hohepriesters sollten die einstigen Regenten vor dem Zugriff von Grabräubern geschützt werden.

chs/dpa



insgesamt 13 Beiträge
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Koda 01.07.2010
1. Wie wärs mit einer Planänderung nach dem Tod des Pharaos oder....
eine andere Prioritätensetzung? Gibt doch auch bei uns so einige Bauruinen.
Hador, 01.07.2010
2.
Zahi Hawass hat unzweifelhaft eine ganze Menge für die Ägyptologie geleistet, vor allem auch was den Umgang der Ägypter mit ihrem Erbe angeht, allerdings jedesmal wenn ich eines dieser gestellten 'Action'-Fotos von ihm sehe denke ich er hätte vielleicht weniger Indiana Jones Filme anschauen sollen ;)
reflexxion 01.07.2010
3. das wird nicht das einzige unvollendete Bauwerk sein
Ich denke auch im alten Ägypten war ein toter Herrscher neben allem Prunk den er zu Lebzeiten für seine letzte Ruhestätte geplant hatte vor allem eins: tot! Nachfolger sind nicht immer der Meinung etwas fertig bauen zu müssen, was ein Vorgänger begonnen hatte. Es ist doch schön wenn man so eine Baumaßnahme praktisch in der Entstehungsphase findet und heute noch untersuchen kann. Das gabs bei uns zu Hause auch, da wurde z.B. im dritten Reich eine Autobahn durch den Wald geplant, man baute damals bereits diverse Brück mitten zwischen den Bäumen. Dann gabs Krieg, der wurde verloren, Deutschland wurde geteilt und die Autobahn weil sie nur zur damaligen innerdeutschen Grenze führte eben nicht weiter verfolgt. Vor ca. 20 Jahren gabs die Grenzöffnung, Aufbau Ost usw. die alte Autobahn kam wieder ins Gespräch, da ist sie heute noch. Man kann sich anscheinend nicht über die Trassenführung einigen, weil die ursprünglich Trasse dem einen anliegenden Ort nicht passt und die Ersatztrassen meinem ursprünglichen Wohnort nicht gefallen. Derweil ist auch klar geworden, das die uralten Brücken/Unterführungen für heutige Verhältnisse zu schmal und wahrscheinlich auch nach 70 Jahren zu baufällig geworden sind. Wenn die Verhältnisse sich ändern, werden eben auch Pläne geändert. Daran hat sich wohl in einigen 1000 Jahren nichts geändert.
Björn Borg 01.07.2010
4. Unbefriedigend ist nur unser Wissen
Zitat von sysopArchäologie-Krimi im Tal der Könige: Was befindet sich am Ende eines mehr als 3000 Jahre alten Tunnels unter dem Grab des Pharao Sethos I.? Wissenschaftler haben nach jahrelanger Arbeit nun eine Antwort auf diese Frage bekommen - und zwar eine reichlich unbefriedigende. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,703898,00.html
Vielleicht sollte man nicht am Ende des Tunnels suchen, sondern unterwegs, zum Beispiel nach zugemauerten Abzweigen. Die Sackgasse könnte eine Tarnung sein.
Rochus 01.07.2010
5. Ganz neue Entwicklung: Nix ist auch eine Meldung!
und SPON mischt ganz vorne mit. Aber irgend wie passend: nicht mal Licht am Ende vom Tunnel.
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