Tarnkappenjet Boeing enthüllt geheimen Bird of Prey

Jahrelang war der futuristische Flieger streng geheim, doch jetzt hat Boeing ihn der Öffentlichkeit vorgestellt. An dem Jet-Prototyp, genannt Bird of Prey, erprobten die Entwickler neue Tarntechnologien.

Geknickte Stummelflügel, ein stromlinienförmiger Rumpf: Die bizarren Formen des Bird of Prey bekam über Jahre niemand außer einigen Eingeweihten zu Gesicht. Der von 1992 bis 1999 unter strenger Geheimhaltung entwickelte Hightech-Flieger, an dem neuartige Möglichkeiten der Tarnung ausprobiert wurden, konnte sich auch den Blicken der Öffentlichkeit erfolgreich entziehen.

Nun hat sich der US-Luftfahrtkonzern Boeing entschlossen, den Schleier über dem "Raubvogel" zumindest teilweise zu lüften. Am vergangenen Freitag präsentierte das Unternehmen den futuristischen Flugkörper ohne großes Aufsehen in St. Louis im Bundesstaat Missouri. Die Technologien und Fähigkeiten des Jets seien mittlerweile zu industriellen Standards geworden, begründete Boeing die Enthüllung.

Der von der Boeing-Forschungsabteilung Phantom Works entwickelte Bird of Prey, der 1996 erstmals abhob und insgesamt 38 Testflüge absolvierte, ist dazu bestimmt, jedem feindlichen Aufspürversuch zu entgehen. Besonders schnell muss er dazu nicht sein: Den Angaben zufolge liegt die Spitzengeschwindigkeit des Unterschalljets bei moderaten 480 Kilometern in der Stunde, die maximale Flughöhe beträgt 6100 Meter.

Dafür wurden an dem Flieger, so Boeing, "viele Tarnungskonzepte" erfolgreich erprobt, die der Konzern nicht näher bezeichnet. Einige der Technologien sind vermutlich noch immer streng geheim: Wie das Magazin "New Scientist" unter Berufung auf Branchenkenner berichtete, zählt dazu womöglich ein aktives Tarnsystem, mit dem Farbe oder Helligkeit des Jets verändert werden können. Damit könnte er auch am Tag unerkannt bleiben.

Der 14 Meter lange Bird of Prey, der eine Flügelspannweite von rund sieben Metern aufweist, diente Boeing außerdem zum Test neuer Herstellungsverfahren. So sei der Tarnkappenjet weitgehend in virtueller Form am Computer entworfen worden. Um Kosten zu senken, wurde das Flugzeug aus möglichst wenigen, großflächigen Teilen zusammengebaut.

Vorgestellt wurde der Jet als Einsitzer, allerdings war er Boeing zufolge direktes Vorbild für den unbemannten Kampfflieger X-45A, den das Unternehmen derzeit im Auftrag der Militärforschungsbehörde Darpa und der US-amerikanischen Luftwaffe entwickelt. Demnach stammen Tarneigenschaften wie das spezielle Design, mit dem die im Mai dieses Jahres erstmals geflogene Drohne feindlichem Radar entrinnen soll, vom Bird of Prey.

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