Technologie Der Transrapid - schnell, aber teuer

Rasend schnell und dabei leise sollte der Transrapid - so wollte es vor allem die Schröder-Regierung - auf der Strecke Hamburg-Berlin dem Flieger Konkurrenz machen. Statt dessen wurde quälend lang verhandelt - bis zum endgültigen "Aus" für die Pläne. Selbst die ambitioniertesten technischen Visionen scheitern immer öfter - am schnöden Geld.


Transrapid in Montagehalle: Viel weiter kommt er vorerst nicht
REUTERS

Transrapid in Montagehalle: Viel weiter kommt er vorerst nicht

Die Magnetbahn Transrapid sollte von 2006/2007 an eine Schnellverbindung zwischen den beiden größten deutschen Städten Hamburg und Berlin schaffen. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 400 Stundenkilometern sollte die Fahrzeit von Innenstadt zu Innenstadt knapp eine Stunde betragen. Es war geplant, dass der Transrapid in Spitzenzeiten alle 20 Minuten fährt und vor allem Flugzeug- und Autoverkehr ersetzt. Von der 292 Kilometer langen Strecke sollte die Magnetschwebebahn 161 Kilometer ebenerdig, den Rest auf Stelzen fahren.

Seit 1984 fuhr der Transrapid auf einer Versuchstrecke im Emsland. Ein ähnliches System wurde mit zeitlicher Verzögerung in Japan entwickelt. 1994 entschied sich die Bundesregierung für den Bau der Strecke Berlin-Hamburg.

Um die Kosten für den Transrapid wurde seit Anbeginn gestritten. Mehrfach wurden die Prognosen korrigiert. Im Oktober 1998 schätzte das Eisenbahn-Bundesamt die Kosten der Trasse auf 7,7 bis 8,9 Milliarden Mark. Die Bundesregierung wollte nur die ursprünglich zugesagten 6,1 Milliarden Mark für den Fahrweg bereitstellen. Für das Betriebssystem, das in die Zuständigkeit des Herstellerkonsortiums aus Thyssen, Adtranz und Siemens fällt, waren zwischen 3,7 Milliarden und vier Milliarden Mark veranschlagt.

Ein Transrapid auf Probefahrt im Emsland
DPA

Ein Transrapid auf Probefahrt im Emsland

Über die Wirtschaftlichkeit des Systems entscheidet vor allem die Zahl der Fahrgäste. Die Bundesregierung schätzte 1997 das Passagieraufkommen auf 11,4 bis 15,5 Millionen im Jahr. Zuvor waren 14,5 Millionen genannt worden. Die Kritiker hielten diese Prognosen für unrealistisch hoch. Im Juli wurden Prognosen bekannt, die von maximal 6,3 Millionen Passagieren pro Jahr ausgingen.

Die Magnetbahn schwebt knapp über dem Boden, wobei sie von starken Magnetfeldern berührungsfrei in der Spur gehalten und angetrieben wird. Das zum Antrieb nötige wandernde Magnetfeld wird über Kabelwicklungen unter dem Fahrweg erzeugt. Magnete im Wagen sorgen dafür, dass der Transrapid vom Kraftfeld mitgezogen wird.



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