Teilchenbeschleuniger LHC Mega-Experiment zeitweise gestoppt

Eine Woche nach seiner Inbetriebnahme stand der weltgrößte Teilchenbeschleuniger LHC für mehrere Stunden still: Wegen einer Strompanne musste er zeitweise abgeschaltet werden. Nun läuft der LHC wieder - doch das Cern stellt weitere Abschaltungen in Aussicht.


Genf - "Die Maschine läuft wieder", sagte eine Cern-Sprecherin am Freitagmorgen auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Probleme mit der Elektrizität hatten zuvor das Kühlsystem des Beschleunigers beeinträchtigt. Deshalb war der Teilchenstrahl zeitweise abgestellt worden.

Beim Cern bemüht man sich, die Situation möglichst gelassen darzustellen. "Das ist eine komplexe Maschine, man kann nicht nur einfach einen Knopf drücken und alles funktioniert auf einmal." Kleinere Probleme seien durchaus normal. "Es wird weitere Tage geben, an denen wir keinen Teilchenstrahl haben", sagte die Sprecherin. "Das beunruhigt uns nicht."

Nach fast 20-jähriger Vorbereitungszeit hatten Wissenschaftler des Cern am Mittwoch vergangener Woche den ersten Protonen-Strahl in die 27 Kilometer lange unterirdische Röhre des weltweit leistungsstärksten Beschleunigers geschickt. Die Forscher wollen in dem mehr als hundert Meter unter der Erde gelegenen LHC Protonen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigen und miteinander kollidieren lassen. Zum Beschleunigen der Protonen ist jedoch eine Temperatur von minus 271,3 Grad Celsius notwendig.

Die Forscher wollen durch den LHC bahnbrechende Erkenntnisse über Grundfragen der Physik gewinnen. Unter anderem soll der Urknall simuliert werden, die Wissenschaft verspricht sich Antworten auf die ganz großen Fragen der Physik: Warum gibt es in unserer Welt keine Antimaterie? Was ist genau beim Urknall passiert? Existiert das rätselhafte Higgs-Boson wirklich, das laut Standardmodell der Physik Elementarteilchen Masse verleiht?

Der britische Physiker Peter Higgs ist optimistisch, dass das vor 44 Jahren von ihm postulierte "Gottesteilchen" nun mit dem LHC nachgewiesen wird. "Ich halte das für ziemlich wahrscheinlich", sagte Higgs. Sollte er recht behalten, kann sich Higgs berechtigte Hoffnungen auf den Nobelpreis machen.

Der Probebetrieb des LHC soll mehrere Wochen dauern. Kurz nach Inbetriebnahme hatte es bereits eine erste - allerdings sehr kleine - Panne gegeben: Hacker waren in einen Cern-Webserver eingedrungen. Und auch hier hatte das Kernforschungszentrum demonstrativ Gelassenheit gezeigt: "Es sieht so aus, als sei nichts Schlimmes passiert", sagte Cern-Sprecher James Gillies. "Scheinbar wollten die Leute beweisen, dass man sich ins Cern einhacken kann."

chs/AFP/dpa

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