Terror-Gefahr Experten warnen vor Überfall auf Atomlabor

Die Atomwaffen-Labors der USA könnten für Terroristen ein leichtes Ziel sein: Ein Selbstmordkommando, befürchten Experten des US-Energieministeriums, könnten binnen Minuten an waffenfähiges Nuklearmaterial kommen und eine Bombe zünden.

Die Warnungen aus dem für Atomforschung zuständigen US-Energieministerium klingen dramatisch: Die Regierung unterhalte zu viele und zu alte Atomlabors, deren Sicherheitsvorkehrungen unzureichend seien und von denen manche zu nahe an Großstädten liegen. Das Ministerium erhielt nach einem Bericht der "Los Angeles Times" schon 2003 die Anweisung, nach Wegen für eine Verlagerung der Plutonium- und Uranvorräte zu suchen. Das waffenfähige Material solle in wenigen Anlagen mit maximalen Sicherheitsvorkehrungen verstaut werden.

Die langsamen Fortschritte sorgten in Washington allerdings für Unzufriedenheit: Das System sei zu verwundbar, sagte der republikanische Abgeordnete Christopher Shays laut "Los Angeles Times". Shays leitet den Kongress-Unterausschuss für Nationale Sicherheit, der am heutigen Dienstag eine Anhörung zu dem Thema abhält.

Im vergangenen Jahr hatte das Energieministerium dem Bericht zufolge seine Einschätzung über die Schlagkraft von Terroristen-Teams deutlich nach oben korrigiert. Eine Übung habe ergeben, dass ein Selbstmordkommando mit hochexplosivem Sprengstoff und High-Tech-Waffen auch stärkste Sicherheitsbarrieren überwinden und an Nuklearmaterial gelangen könne.

In einer Senatsanhörung im Jahr 2002 hätten die Fachleute des Ministeriums geschätzt, dass Terroristen in einem solchen Fall innerhalb weniger Minuten eine einfache Atombombe mit einer Sprengkraft von einer Kilotonne TNT bauen könnten. Würde eine solche Bombe etwa im Lawrence Livermore National Laboratory, einem der berühmtesten Atomlabors der USA gezündet, würden in den angrenzenden Wohngebieten und im etwa 70 Kilometer entfernten San Francisco Zehntausende Menschen sterben. Eine kleinere, aber dennoch tödliche Bedrohung wäre eine "Dirty Bomb", bei der ein konventioneller Sprengsatz strahlende Materialien über ein weites Gebiet verstreut.

Ob die Vorräte an Uran und Plutonium aber in absehbarer Zeit sicherer verstaut werden können, scheint fraglich. Ein Sprecher des Energieministeriums betonte zwar, dass bereits entschieden worden sei, Kernmaterialien aus einer Anlage des Los Alamos National Laboratory in New Mexico zu entfernen und Ähnliches bei einer Reihe weiterer Anlagen geplant sei.

Doch allein im Lawrence Livermore Laboratory, das seit dem Zweiten Weltkrieg eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der amerikanischen Atomwaffen spielt, lagern unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen 500 und 1000 Kilo Plutonium. Ein Transfer zu einer anderen Anlage könnte Jahre dauern und gewaltige Summen verschlingen.