Terrorszenario Atombombe in New York würde 250.000 Menschen töten

Am Computer haben US-Mediziner die möglichen Folgen eines nuklearen Terrorschlags im New Yorker Hafen simuliert. Schon die Explosion einer relativ kleinen Atombombe hätte verheerende Auswirkungen.

Einen Terrorakt mit Nuklearwaffen als unrealistisch abzutun, wagt seit den Anschlägen vom 11. September kaum noch jemand. Mit Computerhilfe haben nun US-Mediziner die möglichen Folgen einer solchen Katastrophe berechnet. Nach ihren Schätzungen würde eine Atomwaffe von der Größe der Hiroshima-Bombe, die im Hafen von New York gezündet wird, mindestens 250.000 Opfer fordern.

Wie die Forscher im "British Medical Journal" ausführen, könnten Terroristen auf verschiedene Weise nukleare Anschläge verüben - etwa durch Angriffe auf Atomkraftwerke oder mit einer "Dirty Bomb", die aus einer Mischung von radioaktivem Material und herkömmlichem Sprengstoff besteht. In seiner Studie ging das Team um Lachlan Forrow von der Harvard Medical School jedoch von einer Atombombe mit einer Sprengkraft von 12,5 Kilotonnen aus. Diese könnte, so die Mediziner, etwa auf einem Handelsschiff nach New York geschmuggelt und im Hafen zur Explosion gebracht werden.

Die verheerenden Auswirkungen eines solchen Anschlags berechneten Forrow und seine Kollegen mit einer Software des US-Rüstungskontrollamts Defence Threat Reduction Agency. Der Simulation zufolge würden 52.000 Menschen sofort durch die Druckwelle und die Hitze umkommen, 10.000 würden wahrscheinlich später an den Folgen der Verstrahlung sterben. Der radioaktive Niederschlag nach der Katastrophe könnte der Studie zufolge weiteren 200.000 Menschen das Leben kosten.

Auch für Zigtausende an der Strahlenkrankheit leidende Überlebende könnte wenig getan werden: Mehr als tausend Krankenhausbetten würden durch den Nuklearschlag zerstört, knapp 9000 durch radioaktiven Niederschlag unbrauchbar. "So schrecklich die Anschläge auf das World Trade Center auch waren, sie forderten noch nicht einmal zwei Prozent der Opfer, die schon eine relativ kleine Nuklearexplosion in einem bevölkerten Gebiet töten würde", sagt Forrow.

Ein derart alptraumhaftes Szenario ist nach Ansicht der Mediziner nicht völlig unwahrscheinlich: "Es gibt klare Anhaltspunkte dafür, dass manche Terroristengruppen versucht haben, sich nukleares Material zu verschaffen, vor allem aus den enormen Beständen der ehemaligen Sowjetunion", schreiben Forrow und seine Kollegen. An Bezugsquellen mangelt es offenbar nicht, wie die Forscher mit mehreren Beispielen belegen: So habe die türkische Polizei erst im Oktober 2001 zwei Händler verhaftet, die illegal über ein Kilogramm waffenfähiges Uran verkaufen wollten.

Die Schlussfolgerung der Mediziner, die alle drei Mitglieder der Internationalen Ärztevereinigung gegen den Atomkrieg (IPPNW) sind, fällt eindeutig aus: Die internationale Gemeinschaft müsse sich um eine Sicherung und anschließende Vernichtung aller Atomwaffenbestände bemühen, wobei die USA eine Führungsrolle übernehmen solle. "Durch unser Land schwappt derzeit eine Welle des Patriotismus", sagt Forrow. Wem aber die in der amerikanischen Verfassung garantierten Bürgerrechte wichtig seien, so der Forscher, "der sollte daran denken, dass sie sich nicht mit der Existenz von Nuklearwaffen vereinbaren lassen".

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