Teure Fachmagazine Aufstand gegen die Hüter des Wissens

2. Teil: Doppelt bezahltes Wissen: Lesen Sie im zweiten Teil, wie die Verlage die öffentlich finanzierte Forschung zu Geld machen


Fachmagazin "Science": Exklusives Copyright an die Verlage
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Fachmagazin "Science": Exklusives Copyright an die Verlage

Auch Nicht-Wissenschaftler haben das Nachsehen. Auf Interessierte, die aktuelle Originalaufsätze über die Websites der Journale herunterladen wollen, wartet eine teure Überraschung: 30 Dollar etwa für einen einzelnen "Nature"-Artikel machen größere Recherchen schon im Ansatz unbezahlbar.

Das Renommee einer Wissenschaftszeitschrift speist sich aus mehreren Quellen. Unbedingt nötig ist ein so genanntes peer-review-Verfahren, also ein Begutachtungsprozess für eingereichte Artikel durch externe Experten. Dieser oftmals steinige und mit Korrekturdurchläufen gepflasterte Weg kann den Autoren starke Nerven abverlangen. Dafür genießt das Werk danach die Aura der erfolgreichen Prüfung durch einen quasi-objektiven Wissenschafts-TÜV.

Geheimnisvolle Preisgestaltung

Das editorial board, ein der Zeitschrift angegliedertes Expertengremium, kann außerdem zum Renommee seines Blattes beitragen. Hohe Nimbus-Werte erzielt dasjenige Journal, dessen Gremium mit klangvollen Namen der betreffenden Wissenschaftsgemeinde besetzt ist. Auf statistischer Basis schließlich fußt der so genannte impact factor. Er beschreibt, wie oft eine Zeitschrift in einem festgelegten Zeitraum zitiert wurde und soll - mathematisch unangreifbar - die wissenschaftliche Relevanz des Blattes belegen.

Wieso die Publikationen allerdings so teuer sind, bleibt ein verlegerisches Geheimnis. Die Gutachter des peer review und das editorial board arbeiten in der Regel ehrenamtlich, und die Autoren müssen ihre Arbeit nach Redaktionsvorgabe druckfertig einreichen. Layout-Kosten werden so frühzeitig abgewälzt.

Autorenhonorare zahlen die Verlage nicht - im Gegenteil: Für Extras, etwa Farbabbildungen, wird zuweilen zusätzlich kassiert. Da können durchaus 1700 Euro pro Aufsatz zusammenkommen.

Die Sprecherin der deutschen Niederlassung eines Wissenschaftsverlages räumte ein, dass es in den neunziger Jahren zu einer Preisspirale gekommen sei, die zu Abbestellungen von Zeitschriften geführt habe. Gleichzeitig verwies sie auf die Kosten der wissenschaftlichen Qualitätskontrolle, die auch beim Publizieren nach dem Open-Access-Modell anfielen: "Das sind beides unterschiedliche Business-Modelle." Zusammen mit den Bibliotheken würden Auswege gesucht.

Prinzip offener Zugang

Doch die Unzufriedenheit grassiert, und Alternativen zu den elitären Wissens-Verwahranstalten der Verleger wachsen im Internet heran. Die schwedische Universität Lund etwa hat eine Liste von "Open Access"-Journalen aus allen Wissenschaftsgebieten zusammengestellt, die beständig aktualisiert wird. Über 1100 Publikationen sind dort mittlerweile aufgeführt, in den letzten zwei Monaten wurden 16 Journale neu dem Verzeichnis hinzugefügt. Voraussetzung für die Aufnahme ist eine Prüfung eingereichter Arbeiten über ein peer-review oder eine redaktionelle Qualitätskontrolle. "Die Zahl der Publikationen wächst schnell", sagt Projektkoordinatorin Lotte Jorgensen. "Wissenschaftliches Veröffentlichen per Open Access ist ein sich beschleunigender Prozess."

Auch die Forschungspolitik beobachtet die Open-Access-Bewegung mit wachsendem Interesse. Ein Ausschuss des britischen Parlamentes empfahl kürzlich in seinem Abschlussbericht, dass alle publizierten Forschungsarbeiten online kostenlos und frei zugänglich gemacht werden sollen.

In ihrer "Berliner Erklärung" hielten bereits im vergangenen Herbst die wichtigen deutschen Wissenschaftsorganisationen das Prinzip des offenen Zugangs hoch und verkündeten, ihre Forscher anzuhalten, in Open-Access-Medien zu publizieren.

Wortgewaltiger drückt es Medizin-Nobelpreisträger Harold Varmus aus. Er sieht eine grundlegende Umwälzung im Anmarsch und will die Wissenschaftler überzeugen, "Teil der Revolutionsarmee zu werden". Ein ambitioniertes Ziel, denn im täglichen Konkurrenzkampf werden viele seiner Kollegen weiterhin auf Traditionsblätter wie "Science" oder "Nature" als renommierte Karriereverstärker setzen.



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